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Bewährte Social-Media-Methoden für 2018

Erfolgreiche Kampagnenformen in Social Media können auch für die eigene Strategie angepasst werden. Diese 4 Methoden eignen sich besonders dafür.
Felix Beilharz | 18.12.2017

Social Media Marketing ist schon lange kein Trend mehr, kein Hype und (hoffentlich) auch kein Neuland, sondern fester Bestandteil im Marketing-Mix vieler Unternehmen. Und doch zeigt sich nicht nur in Studien, sondern auch in persönlichen Gesprächen mit Marketern und Unternehmen, dass kaum jemand mit der Geschwindigkeit, mit der sich dieser Bereich entwickelt, mithalten kann. So beschränken sich viele darauf, mehr oder weniger regelmäßig etwas zu posten, einfach damit in den wichtigsten Kanälen ein bisschen Leben ist. Eine wirkliche Strategie oder gar kreative Methoden sind oftmals nicht zu erkennen.

Dabei gibt es eine Fülle von Methoden, Strategien, Taktiken und Kampagnenformen, die man als Vorlage für eigene Aktionen nutzen kann. Social Media Marketing lebt von der Idee, der Strategie und der Umsetzung. Hierbei helfen bewährte Muster, die dann individuell zugeschnitten und angepasst werden können.

Solche Muster liefert dieser Artikel. Mit den hier enthaltenen vier Methoden setzen Sie kreativeres, spannenderes und erfolgreiches Social Media Marketing ein. Versprochen.

Hashtag-Strategie


Der Hashtag ist gekommen, um zu bleiben. Die Raute hat sich als festes Element im Social Web etabliert, fast alle großen Kanäle ermöglichen die Nutzung dieser Schlagworte. Doch die allermeisten Unternehmen wissen nicht, wie man Hashtags richtig einsetzt und setzen einfach ein paar willkürliche Hashtags unter ihre Postings. Dabei kann der Hashtag viel, viel mehr. Er kann ein wichtiges Markenelement sein und gleichzeitig zu deutlich mehr Aufmerksamkeit verhelfen.

Grundsätzlich lässt sich der Hashtag auf drei Weisen einsetzen:

1) Massen-Hashtags, die allgemein oder kanalspezifisch von allen verwendet werden und niemandem speziell zugeordnet sind. Die Verwendung solcher Hashtags kann zu mehr Reichweite führen, wenn Posts in den entsprechenden Listen auftauchen oder von Nutzern, die den Hashtag abonniert haben bzw. sich für ihn interessieren, gesehen werden. Beispiele: #marketing, #digitalisierung, #cncporn #instafit

2) Unique Hashtags, die von einer Person oder einem Unternehmen entworfen wurden. Der Hashtag kann aus dem Markennamen bestehen, den Markennamen enthalten oder auch komplett ungebrandet sein und trotzdem auf die Firma zurückführen. Beispiele: #ProudToBeMcFit (McFit), #profski (Prof. Dr. Klemens Skibicki), #keksliebe (Keks- und Waffelfabrik Hans Freitag), #ohnemett (true fruits smoothies), #neubeidm (DM)

3) Hashtags als Stilmittel, die keinen tieferen Sinn haben, sondern einfach „social“ klingen und aussehen sollen. Der Hashtag wird dabei quasi als Ausdrucksmittel verwendet. Die Botschaft könnte auch normal als Text verfasst werden, wirkt als Hashtag aber einfach moderner und „cooler“. Beispiel: #endlichwochenende, #kopftisch, #alleskönner

Vor allem der zweite Variante kommt eine hohe Bedeutung im Marketing zu. Jedes Unternehmen, das im Social Media Marketing aktiv ist, sollte sich Gedanken über eigene, gebrandete oder brandbare Hashtags machen. Hashtags, die dann in Kampagnen, auf Werbemitteln und in Postings eingesetzt werden und zu einem sofortigen Wiedererkennungseffekt führen.

Das oben bereits erwähnte Unternehmen McFit hat beispielsweise seine Hashtags (#ProudToBeMcFit, #MachDichWahr, etc.) auf die Spiegel im Freihantelbereich geklebt. So wird der Drang, beim Training Selfies vor dem Spiegel zu machen und zu posten, für Marketingeffekte ausgenutzt, wenn nicht gar verstärkt.

Ein uniquer Hashtag sollte noch „frei“ sein, also noch gar nicht oder zumindest nicht allzu oft in den relevanten Kanälen verwendet worden sein. Außerdem darf er keine Markenrechte verletzen, nicht zu lang oder kompliziert sein und keine zweideutigen Schlüsse zulassen. Gar nicht so einfach, da passende Hashtags zu finden.

Aber auch hierbei helfen verschiedene Muster. Alle aufzuzählen würde jetzt den Rahmen sprengen, aber vor allem Wortspiele und beliebte Kombinationen können funktionieren. Der Photoshop-Artist und Fotograf Calvin Hollywood nutzt zum Beispiel den Hashtag #calvinize für seine Posts. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine Bindung zur Marke lässt sich zum Beispiel mit dem aus der Filmreihe „Twilight“ bekanntgewordenen „Team“-Gedanken erreichen - #TeamMARKE kann, sofern die Marke kurz ist und sich das Kombinationswort gut aussprechen und merken lässt, gut funktionieren.

Investieren Sie etwas Zeit und Gehirnschmalz in den eigenen Hashtag oder gar die eigenen Hashtags. Diese Entscheidung wird sie längere Zeit begleiten.

Takeover


Eine sehr interessante Taktik, nicht nur, wenn Sie nicht genügend kreative Ideen für eigenen Content haben oder einfach mal einen Boost brauchen, sind Social Media Takeover. In manchen Branchen gang und gäbe, ist diese Methode vielen Marketern noch völlig unbekannt.

Bei einem Takeover übernimmt eine Person den Social Media Kanal (häufig Twitter, Instagram oder Snapchat) eines Unternehmens für einen bestimmten Zeitraum und postet dort Inhalte für das Unternehmen. Das Unternehmen profitiert von frischem Content und oft auch von der mitgebrachten Reichweite des Übernehmenden, dieser wiederum erhält ebenfalls neue Reichweite (und meist auch Geld für seine Dienste) und die Follower dürfen sich ohnehin über spannenden Content freuen – die klassische Win-Win-Win-Situation.

Arten von Takeovern gibt es viele. Bei einem Mitarbeiter-Takeover wird der Kanal einem Mitarbeiter übergeben, der dann während dieser Zeit aus seinem Arbeitsleben berichtet. Wie viele der hier erklärten Taktiken und Strategien eignet sich dieses Vorgehen übrigens sehr gut für den B2B-Sektor und für alle Unternehmen, bei denen Recruiting und Employer Branding im Vordergrund stehen.

Eine üblichere Version des Takeovers sind Promi- oder Influencer-Takeover. Hier besteht der große Vorteil darin, dass die übernehmende Person bereits bekannt ist und in der Regel bereits über eine mehr oder weniger große Fangemeinde verfügt. Da die Takeover im Vorfeld von allen Beteiligten angekündigt werden, erhält das Unternehmen so eine große Aufmerksamkeit in der Community des Promis/Influencers und kann im besten Fall selbst neue Fans und Follower generieren.

Ein Sonderfall dieser Technik ist der virtuelle Takeover. In diesem Fall übernimmt keine reale Person, sondern eben ein fiktiver Charakter. Vor einigen Jahren übernahm die Comicfigur Skeletor aus dem He-Man-Universum unter dem Hashtag #skeletakeover den Twitter-Kanal von Honda USA. Skeletor tauchte in den TV-Spots der Marke regelmäßig auf und war dementsprechend bereits mit der Marke verknüpft.

Newsjacking


Eine nicht ganz einfach umzusetzende, aber im Erfolgsfall sehr aussichtsreiche Technik ist das so genannte Newsjacking. Hierbei geht es darum, sich an eine aktuell kursierende möglichst weit verbreitete Nachricht anzuhängen und eigenen Content dazu zu erstellen. Man entführt („highjacked“) also quasi die Nachricht für das eigene Marketing. Wie immer bei viralen Aktionen gibt es keine Garantie, dass die eigene Botschaft auch wirklich an Fahrt aufnimmt, die Chancen stehen bei etwas Kreativität und handwerklichem Geschick aber recht gut. Häufig hängen sich solche Newsjacking-Aktionen an einen kursierenden Hashtag dran, sind dann also eine Unterform der Hashtag-Strategien.

Um erfolgreiches Newsjacking zu betreiben, bedarf es einer wirklich viralen Nachricht, die bei einem Großteil der Zielgruppe bekannt ist und von vielen geteilt wird. Nun gilt es, möglichst schnell und kreativ einen Beitrag zu dieser Nachricht mit Bezug zum eigenen Unternehmen bzw. zu den Marken zu erstellen, online zu stellen und entsprechend zu seeden. Bezahlte Ads scheiden in der Regel für das Seeding aus, da eine Kampagne meist einige Anlaufzeit benötigt, bis sie freigeschaltet und ausgespielt wird – bis dahin kann es schon zu spät sein. Besser ist ein Seeding über die eigenen Kanäle und passende Influencer.

Beispiele für solche Newsjacking-Aktionen gib es viele. Das aktuellste Beispiel war erst letzte Woche der Start des neuen Star Wars-Films, der unter dem Hashtag #TheLastJedi große Aufmerksamkeit im Netz generierte. Am Tag der Veröffentlichung haben auch viele Firmen Tweets und Posts mit diesem Hashtag veröffentlicht, in denen sie sich humorvoll auf den Film beziehen. Bei Twitter waren u. a. verschiedene Polizeibehörden, die Hochbahn, Viessmann, ARTE oder E.ON am Start.


GIF-Strategien


Animierte GIFs sind vor allem bei Facebook wieder absolut „in“. Facebook-Seiten können solche GIFs posten und Nutzer können in Kommentaren aus einer umfangreichen GIF-Sammlung auswählen.

Clevere Unternehmen haben das erkannt und eigene, gebrandete GIFs eingespielt, die sie als Kommentar posten können. Ziel ist es, dass Nutzer nach und nach selbst diese GIFs übernehmen und in Kommentaren posten (auf Fanpages, in Diskussionen auf Profilen oder sogar im Messenger) und so indirekt Werbung für das Unternehmen machen.

Damit das funktioniert, müssen die GIFs selbsterklärend und universell einsetzbar sein. Es bieten sich zum Beispiel lustige Animationen zu bestimmten Emotionen oder häufigen Situationen in Chats und Gesprächen an. Damit überhaupt eine Werbewirkung entfaltet wird, versehen die Unternehmen die GIFs dann mit mehr oder weniger unterschwelligen Botschaften, wie z.B. Farben, im Hintergrund platzierten Produkten oder ähnlichen Mechanismen.

Zwei gute Beispiele für diese Taktik sind SIXT und Green Cola. Suchen Sie mal in der GIF-Auswahl bei Facebook nach diesen beiden Brands, Sie werden eine Vielzahl von universell nutzbaren, aber immer eindeutig gebrandeten Bildern finden. Von beiden Unternehmen habe ich bereits GIFs in Diskussionsthreads gesehen, gepostet sowohl von Fanpages als auch von Usern selbst.

Damit Facebook auf die GIFs zugreifen kann, müssen sie bei www.tenor.co oder www.giphy.com hochgeladen werden.


Welche dieser Taktiken und Strategien Sie für sich einsetzen, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Wichtig ist, dass die eingesetzten Methoden zum Gesamtbild der Marke und zur anzusprechenden Ziel- und Bedarfsgruppe passen. Dann können diese Methoden, individuell angepasst, bei fast allen Unternehmen funktionieren. Viel Erfolg!