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Die DSGVO als Chance für mehr Integration

Die Datenschutz-Grundverordnung kann der entscheidende Katalysator sein, um lange vernachlässigte Integrationsprojekte endlich voranzutreiben.
Andreas Helios | 14.05.2018
© Pixabay / TheDigitalArtist
 

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist für viele sicher aktuell eines der wichtigsten Themen. Wie wirken sich die strengeren Vorgaben auf unsere Reichweite aus, wie gut haben wir die Vorgaben in unseren Prozessen umgesetzt und wie gehen unsere Marktbegleiter mit dem Thema um? Es fällt auf, dass in vielen Diskussion und Publikationen zum Thema immer wieder die herausfordernden Aspekte betont werden. Es beschleicht einen langsam das Gefühl, dass wir in Zukunft nur noch mit angezogener Handbremse kommunizieren dürfen. Und dabei kämpfen wir doch schon heute mit der Daten- und Kanalflut, der abnehmenden Aufmerksamkeitsspanne des Kunden und dem Postulat, immer noch bessere „Experiences“ zu liefern.

Genug gejammert. Die DSGVO ist viel mehr Chance als Risiko. Die neue Verordnung kann der entscheidende Katalysator sein, um lange vernachlässigte Integrationsprojekte im Unternehmen endlich voranzutreiben. Die Zeiten der isolierten Datenbanken, des lockeren Umgangs mit Kontakten auf Excelbasis und des Massenmarketings neigen sich unwillkürlich dem Ende zu. Und das ist gut so.
Natürlich haben unsere Kunden ein Anrecht darauf, dass wir Ihre Privatsphäre respektieren. Und es ist wunderbar, dass dieses Schutzgebot für jedes Unternehmen gilt, das mit europäischen Kunden kommunizieren will - unabhängig davon wo sich die jeweilige Zentrale befindet.

Für manches deutsche Unternehmen entsteht sogar ein Wettbewerbsvorteil, da wir uns bereits in der Vergangenheit viel bewusster mit dem Thema Data Privacy beschäftigt haben und oft auch schon unsere Systeme und Prozesse entsprechend optimiert haben. Der einstige Standortnachteil gereicht vielen jetzt zum Vorteil.

Schaffen Sie ein abteilungsübergreifendes Bewusstsein


“Marketing is too important to be left to the marketing department.“ Dieses über 30 Jahre alte Zitat von HP-Gründer David Packard (HP) hat auch im Jahre 2018 nichts von seiner Bedeutung verloren. Im Gegenteil – die Notwendigkeit dem Kunden ein ganzheitliches Markenbild zu vermitteln, eine nahtlose Kundenkommunikation auch über die Abteilungsgrenzen hinweg sicherzustellen, war nie wichtiger als heute. Übernehmen Sie das Mandat, alle Bereiche mit Kundeninteraktion (Customer Facing) auf ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Botschaft und ein gemeinsames Verständnis der Herangehensweise einzuschwören.

Sagen Sie technologischen Insellösungen den Kampf an


Der Markt für Marketing-Technologie wächst permanent. Vereinfacht gesagt, stehen sich auf der einen Seite die Speziallösungen für schnelle Ergebnisse bei speziellen Aufgaben, auf der anderen Seite die großen Marketing-Suites mit dem Versprechen, die Integration der Front-End-Lösungen bereits an Bord zu haben, gegenüber. Prüfen Sie deshalb sehr genau, ob Ihre aktuelle Infrastruktur mit vertretbarem Aufwand noch ausbaufähig ist, ob jetzt (siehe oben) ein guter Zeitpunkt wäre, die gesamte Architektur neu zu überdenken. Wer noch zögerlich ist, der sei an Gartners „Disposable Technology“-Ansatz erinnert. Also Technologien, die mit einem geplanten Verfallsdatum als Brückentechnologie bis zur Verfügbarkeit der ganzheitlichen Lösung eingesetzt werden. Viele Nischenlösungen scheinen heute in diese diskussionswürdige Kategorie zu fallen.

Schließen Sie Ihren Frieden mit Daten und Datenbanken


Daten sind der natürliche Freund des Marketings. Daten helfen, Leistung und Ergebnisbeitrag messbar zu machen, Schwachstellen aufzuzeigen, und übersetzen gewissermaßen unsere Arbeit in die Sprache der Unternehmensführung.

Die große Herausforderung liegt aber in der richtigen Interpretation der Daten. Trotz dem beginnenden Zeitalter von Künstlicher Intelligenz brauchen wir gerade jetzt gute Mitarbeiter mit einem Händchen für Zahlen, Statistik und Mustererkennung. Die beste Marketing Suite nützt Ihnen wenig, wenn Sie die neu gewonnenen Daten nicht auswerten und in datengestützte Handlungen übertragen können.

Aber die Ressourcen sind doch so knapp. Das Budget sowieso und die laufenden Projekte verlangen uns alles ab. Mag sein, aber jetzt ist die Zeit, lange bestehende Lücken zu schließen. Jetzt steht der Umgang mit Daten ganz oben auf der Agenda. Zu groß sind die Unternehmensrisiken, die aus einer Verletzung der Datenschutz-Grundverordnung resultieren können. Fordern Sie jetzt die nötigen Mittel und Ressourcen ein, um der Komplexität des Themas gerecht zu werden. Nicht weil der Gesetzgeber es so will, sondern weil die Zukunft einem kundenzentrierten Marketing, bei dem der Kunde entscheidet, welche Daten er wie lange von sich preisgeben will, gehört.