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Diesen Plan verfolgt Facebook mit Virtual Reality

Facebook will mit der Oculus Go den Einstieg in die virtuelle Welt erleichtern. Das könnte einen Aufschwung für den Virtual-Reality-Markt bedeuten.
Markus Groiss | 20.08.2018
VR-Brille der ersten Generation © Pixabay / Florian Pircher
 

Das Ziel von Facebook ist klar: Das Unternehmen möchte durch niedrige Einstiegshürden einen neuen Markt erschließen. Denn aktuelle Analysen prognostizieren dem B2C-Markt für Virtual Reality in den kommenden zwei Jahren einen Umsatz von 4,5 Milliarden US-Dollar. Die gute Bedienbarkeit der Oculus Go ohne Kabel, PC oder Smartphone setzt die Konkurrenz erheblich unter Druck. Mit dem vergleichsweise günstigen Preis trifft Facebook außerdem die Zahlungsbereitschaft von etwa jeder fünften Person in Deutschland. Doch es stellt sich immer noch die Frage, wieso Facebook so viel in einen Bereich investiert, der auf den ersten Blick weit weg vom eigentlichen Kerngeschäft ist.

These 1: Facebook will die führende Plattform für Virtual Reality werden


Digitale Plattformen haben die Tendenz, durch Netzwerkeffekte „Winner takes it all”-Märkte zu kreieren, was dauerhaft hohe Margen verspricht. Das ist per se plausibel und sicher ein valides Ziel. Aus meiner Sicht kann man die VR-Strategie von Facebook jedoch nicht rein aus der Plattform-Frage heraus erklären. Dazu fehlt Facebook die zur Hardware zugehörige Content-Plattform und wirklich integrierte Apps – auch wenn sie beginnen, diesen Bereich mit Oculus Venues zu erschließen. Da Facebook jedoch bestehende, mobile Plattformen (iOS und Android) nicht mitgestalten konnte, wollen sie das diesmal keinesfalls verpassen.

These 2: Facebook will sich mit Virtual Reality von der Konkurrenz abheben


Im April 2018 sprach Facebook von einer „Wette auf AR, VR und Connectivity”. Diese Wette soll sich dahingehend auszahlen, dass die größeren Plattformkonkurrenten – vor allem Google, Amazon, Apple und Microsoft – gar keine oder keine vergleichbaren VR-Geräte auf dem Markt haben. Somit könnte Facebook im Falle des Durchbruchs der Technologie eine Differenzierung und damit verbunden eine führende Marktposition erreichen. Die Zeit wird jedoch knapper, da Apple auch eine eigene VR-Brille plant.

These 3: Facebook will Taktgeber der Zukunft sein


Auf der Oculus Connect Keynote im vergangenen Jahr erklärte Mark Zuckerberg: “We’re excited about the future and we’re committed to making it a reality.” Mit dieser Aussage muss Facebook sein Investment nicht quantitativ rechtfertigen, sondern lädt die Begründung bewusst ideologisch auf: Man sieht sich als Taktgeber der Zukunft und in der Pflicht, VR wirklich Realität werden zu lassen. Generell halte ich diese These für durchaus sinnvoll, da VR – wenn bestehende Schwierigkeiten wie Tragefähigkeit, Akkulaufzeit, Größe etc. gelöst werden – unseren Alltag revolutionieren könnte.

These 4: Facebook will VR als soziale Plattform etablieren


Eine ältere Aussage von Mark Zuckerberg besagt, dass VR künftig die sozialste Plattform sein wird, beispielsweise um gemeinsam Filme anzusehen. Derzeit werden jedoch die meisten VR-Brillen eher isoliert genutzt. In einer aktuellen Umfrage nennt zudem nur etwa jeder Zehnte die neuen Möglichkeiten der Kommunikation als den interessantesten Aspekt von VR. Derzeit spricht nicht viel für diese These. Das kann sich noch ändern, zumal Facebook den Zeitraum für VR-Erfolg auf etwa zehn Jahre anlegt.

Facebook pokert hoch, kann aber mit seiner VR-Strategie gewinnen


Virtual Reality stellt bisher in den meisten Unternehmen ein eher theoretisches Erlebnis dar. VR bietet jedoch durch die vielfältigen Anwendungsfelder viel ungenutztes Potenzial: insbesondere bei Themen rund um Arbeitssicherheit und -qualität. Auch daher ist zu sagen, dass die „Wette“ auf Virtual Reality für Facebook zwar teuer ist, aber insbesondere zum Entscheidungszeitpunkt des Investments vor einigen Jahren recht chancenreich aussah und jetzt mit der „massentauglichen” Oculus Go mehr denn je aussieht. Wir sind gespannt.