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Wie Augmented Reality das Marketing verändert

Zahlreiche Beispiele, die zeigen was möglich ist und auf Webseiten funktioniert Augmented Reality ganz ohne Zusatzsoftware.
Frank Puscher | 04.01.2021
Burn that Ad heißt die Kampagne von Burger King, mit der sich Anzeigen der Wettbewerber anzünden lassen © Screenshot
 

Seit Jahren ist Augmented Reality eines der ewigen Talente im Marketing. Vereinzelt gibt es spannende Anwendungen, aber viel mehr Marketer sind der Auffassung, dass es sich dabei um eine teure technische Spielerei handelt. Es lohnt sich aktuell, die früher gebildete Meinung zu revidieren.

Gucci verkauft Schuhe über Augmented Reality auf Snapchat

Diesen Satz sollte der geneigte Marketer mal kurz in Ruhe auf sich wirken lassen. Bei Gucci handelt es sich um eine Lifestyle-Marke mit sehr exklusiver Zielgruppe. Diese würde man nicht ohne weiteres auf Snapchat vermuten.

Gucci ist ein Marketing-Unternehmen. Experimente sind immer erlaubt, aber die Italiener evaluieren professionell, welcher Kanal und welche Technik sich lohnen könnten.

Und Gucci ist alles andere als eine hippe Technik-Marke. Warum also Augmented Reality.

Weil jeden Tag 180 Millionen Menschen Augmented Reality auf Snapchat nutzen. Es ist halt so einfach. Die Lenses, wie die Filter von Snapchat heißen, sind mit einem einzigen Wischen  aufzurufen. Die Kamera startet sofort und wird mit digitalen Inhalten überlagert. Im Falle Gucci ersetzt man den eigenen Schuh durch einen Gucci-Sneaker und direkt daneben prangt der Knopf: „Jetzt einkaufen“.

Fakt ist: Augmented Reality steckt heute nicht nur in Snapchat, sondern auch in Facebook, Instagram, YouTube, Google Maps, der Google Suche und in Android und iOS sowieso. Und auf Webseiten funktioniert Augmented Reality ganz ohne Zusatzsoftware.

Und Beispiele gibt es eben auch jede Menge, wie Unternehmen die Technik sinnvoll und unterhaltsam einsetzen. Und wenn es nur darum geht, eine hohe Menge an Shares und Weiterleitungen zu erreichen. Für Kampagnen in der frühen Awareness-Phase ist genau das das Ziel.

Und hier sind sie, die Beispiele, mit deren Hilfe man die eigene Meinung zu Augmented Reality revidieren könnte.

1. Augmented Reality ganz ohne Software

Die Macher von Augmentify aus Münster realisieren mit relativ wenig Aufwand AR-Awendungen, die direkt im Browser laufen. Der User scant einen QR-Code und landet auf einer Landeseite mit AR-Wendungen und allen erdenklichen Call-to-actions. Einer der Großkunden der Münsteraner ist Mobile.de.

https://advertising.mobile.de/werbemoeglichkeiten/augmented-reality

2. Amazon integriert AR in Produktseiten

Richtig gelesen: Amazon-SEO bekommt eine neue Facette. Nach Text, Bild und Video kommt nun Augmented Reality in der Amazon App . Für Haushaltsgegenstände mag das banal sein. Wenn es um Inneneinrichtung oder Möbel geht. Und es geht noch mehr. Amazon macht die versendeten Päckchen zu Markern für AR.

. https://mixed.de/amazon-ar-app-macht-pakete-zu-digitalem-spielzeug/

3. Sony macht ein Geheimnis um die PS5

Einen ähnlichen Ansatz wie Amazon mit den Päckchen wählt auch Sony für die Präsentation der PS5, nur ist das Paket virtuell. Sony publiziert eine Snapchat Lens, die es den Nutzern erlaubt, die PS5 auf dem eigenen Wohnzimmertisch zu platzieren und davon Angeber-Screenshots zu machen.

Das haben auch einige andere Marken bereits so gemacht. BMW sammelte 2018 „Bilder“ vom X2 in unterschiedlichsten Szenarien, obwohl das Auto noch gar nicht auf dem Markt war.

4. Google bringt AR ins Shopping

Die AR-Tíerchen von Google sind den meisten bekannt. Wenn nicht: Googeln Sie auf dem Smartphone den „Kaiserpinguin“ und suchen Sie nach dem Button: „In 3D ansehen“.

Google bringt die Funktion nun in Google Shopping. Mit Volvo gibt es einen Demo-Case, bei dem die AR-Ansicht des Volvos nicht zur dazu dient, das Objekt der Begierde aus allen Richtungen anzuschauen, sondern man kann ihn sogar konfigfurieren.

5. Die AR-Challenge von Dr. Oetker

 Die Pizza-Sparte von Dr. Oetker hatte eine einfache Idee, die man aus vielen anderen Social Media Kampagnen kennt. Die Marke ruft einen Wettbewerb aus und die Menschen machen das in unterschiedlichen Varianten nach. Das Neue an der Dr. Oetker Pizza-Challenge war, dass man den Challenge-Aufruf mit einer Snapchat-Lens kombinierte. Der User konnte sich eine Pizzaschachtel virtuell auf den Kopf setzen. Die unterschiedlichen Pizzen rotierten durch, wie bei einem Glücksrad und wenn sie stehen blieben, hatte man „seinen“ Pizza-Typ gefunden.

Der Ansatz zeigt zweierlei. Zum einen kann man Augmented Reality auch recht rudimentär umsetzen, wenn eine lustige Idee dahintersteckt. Die Animation der Pizzacartons sollte wohl kaum mehr als einen dreistelligen Betrag gekostet haben. Zum anderen sorgt es immer für Social Media Buzz, wenn die Menschen sich einem Thema zuordnen. Und zwar völlig egal, ob sie mit der automatischen Zuordnung einverstanden sind oder eben nicht.

6. Apple scant Räume und Menschen

Das Iphone 12 steht ganz im Zeichen von Augmented Reality. Bereits vor der offiziellen Vorstellung gabe es ähnlich wie bei der Playstation 5 einiges an AR-Mystery zu sehen.

Was die Amerikaner dann aber vom Stapel ließen, wird definitiv die App-Entwickler dieser Tage intensiv bewegen. Die Rede ist vom Lidar-Scanner. Das ist ein 3D-Scanner, der Teil der Kamera ist. Und der kann Gegenstände, die er erkennt nutzen, um realitätsnahe Größenverhältnisse im Scan abzubilden. Er weiß, dass ein Couchtisch 40 cm hoch ist, eine Wachmaschine eher 60.

Dadurch kann man wie bei IKEA oder Amazon Produkte im Raum platzieren. Man kann aber zum Beispiel auch einen Raum oder ein Objekt im Raum oder einen Menschen im Raum vermessen. Das ist eine echte Nutzwert-Anwendung für Augmented Reality im E-Commerce.

https://www.cnet.com/news/apple-iphone-ipad-augmented-reality-secret-weapon-ar-right-in-front-of-us/

 

7. AR als Design-Tool

Gerne achtet man in Sachen Augmented Reality nur auf die Schnittstelle zum Endkunden. Das ist freilich nur das halbe Bild. Facebook stellte im Sommer eine Studie zum virtuellen, mobilen Arbeitsplatz vor, der so viele Monitore haben kann, wie man möchte.

Noch im Entwicklungsstadium befindet sich eine Studie von Adobe und der Universität Toronto. Der Designer kann in einem Video Ankerpunkte markieren, indem er einfach eine Linie auf den Touchscreen zeichnet. Sind zwei Linien verbunden, zeigt das Tool dynamisch zum Beispiel welcher Winkel zwischen den zwei Linien existiert. Und die Linien bewegen sich mit dem markierten Objekt im Video mit.

https://techxplore.com/news/2020-12-realitysketch-ar-interface-responsive.html

 

8. AR als Business-Tool

Ist man schon im B2B angekommen, lohnt sich ein Blick zu Walmart. Die Supermarktspezialisten haben einen kompletten Markt auf mobile first umgebaut. Und auch hier richtet sich der Blick nicht nur auf die Kunden sondern auch auf die Mitarbeiter. Diese können nämlich eine AR-Anwendung nutzen, um entweder ein leeres Regal aufzuspüren, das nachgefüllt werden muss, oder sie sammeln mit AR-Hilfe die Waren ein, die von Kunden zum Abholen bestellt wurden.

 

https://corporate.walmart.com/newsroom/2020/09/30/reimagining-store-design-to-help-customers-better-navigate-the-omni-shopping-experience

9. AR ist the new normal

Sicher stimmt das nicht für Jedermann, aber es stimmt auf jeden Fall für die Industrie und damit besonders auch für den deutschen Mittelstand. Corona hat Service-Termine problematisch gemacht. Da die an Kunden ausgelieferten Maschinen aber weiterlaufen sollen, ist seit Februar der gesamte Maschinenbau dabei, Lösungen für Fernwertung zu evaluieren.

 

Ganz oben auf der Shortlist auch von US-Unternehmen rangiert TeamViewer   aus dem schwäbischen Göppingen. Sie haben mit dem Co-Pilot eine Anwendung im Programm, die die „geführte“ Wartung ermöglicht. Der Experte zuhause führt den Nachwuchstechniker vor Ort und kann zum Beispiel live in dessen Display auf der AR-Brille zeichnen.

10. AR ist große Kunst

Die große Inspiration in Sachen Augmented Reality stammt aus einem TED-Talk, der unmittelbar vor Ausbruch der Corona-Krise gehalten wurde. Jon  Mar erzählt in einem sehr emotionalen Vortrag, wie er seine Leidenschaften Malerei und Technologie verheiratet. Er fügt Gemälden eine Zeitdimension hinzu, die sie bisher nicht hatten. Betrachtet man seine Bilder durch die ebenfalls von ihm erstellte AR-Anwendung, dann werden sie lebendig. Das Gemälde „The Cove“ erzählt eine chinesische Parabel und dabei wird der Betrachter Zeuge, dass das Gemälde eigentlich aus zehn Schichten besteht. Und jede Schicht ist ein Kapitel der Story.

Das neue Wer „The House“ zeigt ein Gebäude, das stilistisch an Van Gogh angelehnt ist. Diese Gebäude entwickelt sich jede Woche weiter. Es leben Menschen dort, sie bekommen Kinder, die Kinder werden älter und so weiter. Zwanzig Jahre à 52 Bilder hat Mar gemalt und so aufgebaut, dass das Gemälde mit seinen Betrachtern älter werden darf.

https://www.youtube.com/watch?v=zepG-4Y2ZIg

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Über Frank Puscher

Frank Puscher ist Journalist mit über zwei Jahrzehnten Berufserfahrung.

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