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Mehrsprachige Videos ohne Neu-Dreh

Mehrsprachige Videos gelingen mit KI und Originalstimme statt Avataren: skalierbar, emotional wirksam und sicher bei klaren Regeln.
Bernd Korz | 08.01.2026
© freepik
 

Video ist das Format der Stunde – auch im B2B-Marketing. Doch während deutsche Unternehmen ihre Videoproduktionen professionalisieren, scheitern viele an einer entscheidenden Hürde: der internationalen Skalierung. Ein sorgfältig produziertes Produktvideo erreicht französische Kunden nicht, wenn es auf Deutsch bleibt. Eine CEO-Ansprache verfehlt ihre Wirkung in Polen, wenn sie auf Englisch gehalten wird. Und wer für jeden Markt neu produziert, sprengt schnell jedes Budget.

KI-gestützte Übersetzungstechnologien versprechen hier Abhilfe. Doch zwischen technischer Machbarkeit und tatsächlicher Wirkung liegen Welten. Wer internationale Video-Strategien aufbauen will, muss verstehen, welche Ansätze funktionieren – und welche nur auf dem Papier überzeugen.

Die drei Herausforderungen internationaler Videokommunikation

Unternehmen mit internationalen Ambitionen stehen vor einem Trilemma: Geschwindigkeit, Kosten oder Qualität – zwei davon kann man haben, aber selten alle drei.

Erstens: Die Kostenfrage. Klassische Videoproduktion skaliert nicht linear. Wer ein Produktvideo für fünf Sprachmärkte braucht, steht vor der Wahl: Entweder einmal produzieren und mit Untertiteln arbeiten – was weniger wirkt. Oder fünfmal neu drehen, fünfmal schneiden, fünfmal abstimmen – was Zeit und Budget vervielfacht. Je professioneller die Produktion, desto schneller wird aus einem überschaubaren Investment ein fünfstelliges Projekt.

Zweitens: Authentizität. Wer mit Synchronsprechern arbeitet, kennt das Problem: Die Stimme passt nie ganz zum Original. Tonalität, Betonung, Emotionalität gehen verloren. Das Ergebnis wirkt distanziert, manchmal unfreiwillig komisch. Gerade im B2B-Kontext, wo Glaubwürdigkeit zählt, kann das zum Problem werden.

Drittens: Kontrolle. Je mehr Sprachversionen, desto komplexer ist die Qualitätssicherung. Wer prüft, ob die spanische Übersetzung kulturell passt? Wer stellt sicher, dass die polnische Version dieselbe Botschaft transportiert? Viele Unternehmen verlassen sich auf externe Dienstleister – und verlieren damit die Hoheit über ihre Kommunikation.

KI-Lösungen im Reality-Check: Was funktioniert, was nicht?

Die gute Nachricht: Technisch ist mehrsprachige Videokommunikation heute einfacher als je zuvor. Die schlechte: Nicht jede Lösung hält, was sie verspricht.

Untertitel: Notwendig, aber nicht ausreichend

Untertitel sind unverzichtbar – rechtlich seit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ohnehin Pflicht, und praktisch die Basis jeder internationalen Video-Strategie. Sie sorgen dafür, dass Inhalte verstanden werden, auch in lauten Umgebungen oder beim stummem Abspielen in Social Media.

Doch für emotionale Bindung reichen sie nicht. Ein französischer Manager, der ein deutsches Video mit Untertiteln schaut, versteht den Inhalt – aber er fühlt sich nicht direkt angesprochen. Der kognitive Aufwand ist höher, die emotionale Wirkung geringer. Besonders bei CEO-Ansprachen, Employer-Branding-Videos oder komplexen Produkterklärungen macht dieser Unterschied den Effekt aus.

Avatar-Videos: Technisch möglich, emotional problematisch

Tools wie Synthesia oder HeyGen versprechen mehrsprachige Videos ohne Kamerateam: Ein digitaler Avatar spricht den Text in beliebigen Sprachen. Das klingt effizient, scheitert aber oft an der Realität. Die Avatare wirken künstlich, der Uncanny-Valley-Effekt ist spürbar. Für interne Schulungsvideos mag das funktionieren, für externe Kommunikation oder Brand-Building ist es problematisch. Vertrauen entsteht durch Menschen, nicht durch computergenerierte Gesichter.

KI-Übersetzung mit Voice-Cloning: Der Game-Changer?

Der vielversprechendste Ansatz kombiniert beides: Die Authentizität echter Menschen mit der Skalierbarkeit von KI. Konkret bedeutet das: Ein Video wird einmal gedreht, die Übersetzung erfolgt automatisiert, und die Stimme des Original-Sprechers wird in andere Sprachen übertragen – per Voice-Cloning.

Das Ergebnis: Der CEO bleibt sichtbar, seine Körpersprache bleibt authentisch, aber er spricht Französisch, Polnisch oder Spanisch. Ein Video-File, mehrere Sprachversionen, die der User per Klick wechseln kann – ähnlich wie bei Netflix.

Technisch funktioniert das bereits gut. Die eigentliche Herausforderung liegt woanders: bei Qualität, Sicherheit und strategischer Umsetzung.

Die Sicherheitsfrage: Wenn KI-Stimmen zum Risiko werden

Voice-Cloning ist nicht nur eine Marketing-Chance, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. In mehreren dokumentierten Fällen wurden Stimmen von Führungskräften aus öffentlich zugänglichen Videos – YouTube-Interviews, Podcasts, LinkedIn-Posts – geklont und für Betrugsversuche missbraucht. Die Masche: Ein vermeintlicher Anruf vom CEO mit der dringenden Bitte, eine Überweisung zu tätigen oder sensible Daten weiterzugeben.

Das Problem betrifft jedes Unternehmen, das Videos veröffentlicht. Wer einmal eine Stimme im Netz hat, kann sie nicht mehr zurückholen. Umso wichtiger wird die Frage: Wie können Unternehmen Voice-Cloning nutzen, ohne die Kontrolle zu verlieren?

Seriöse Anbieter setzen deshalb auf Sicherheitsmechanismen: Identitätsprüfung vor der Nutzung einer Stimme, explizite Freigabeprozesse, verschlüsselte Speicherung von Voice-Daten. Plattformen wie alugha etwa erlauben Voice-Cloning nur nach persönlicher Authentifizierung – ein Schutzmechanismus, der verhindert, dass Stimmen unkontrolliert repliziert werden. Für Unternehmen bedeutet das: Voice-Cloning ist einsetzbar, aber nur mit klaren Governance-Regeln.

Praxis-Check: Wann lohnt sich KI-gestützte Mehrsprachigkeit?

Nicht jedes Video braucht fünf Sprachversionen. Die Frage ist: Wo macht der Aufwand strategisch Sinn?

Use Cases mit hohem ROI:
  • B2B-Produktvideos: Ein Erklärvideo für eine Software-Lösung erreicht französische Entscheider besser auf Französisch als auf Englisch – selbst wenn die Zielgruppe Englisch spricht.
  • CEO-Kommunikation in internationalen Unternehmen: Die Ansprache an multinationale Teams wirkt persönlicher, wenn sie in der Landessprache erfolgt – auch wenn der CEO selbst sie nur einmal aufzeichnet.
  • E-Commerce: Von der Wahrnehmung bis zum Warenkorb bleibt nur wenig Zeit. Um so besser, wenn Produktvideos in der Sprache des Zielmarkts verfügbar sind – 72 Prozent der Konsumenten kaufen eher, wenn Informationen in ihrer Muttersprache präsentiert werden.
  • Employer Branding: Unternehmen, die international rekrutieren, erreichen Talente besser mit lokalisierten Videos – gerade in Märkten, wo Englisch nicht selbstverständlich ist.
  • Schulungsvideos für globale Teams: Compliance-Trainings oder Onboarding-Videos in der Muttersprache sorgen für besseres Verständnis und höhere Completion-Rates.

Worauf Unternehmen achten sollten

KI macht Mehrsprachigkeit technisch einfach. Doch wer sie strategisch nutzen will, muss einige Stellschrauben beachten.

Qualitätskontrolle ist nicht optional

Automatische Übersetzung ist schnell – aber nicht fehlerfrei. Kulturelle Nuancen, Fachbegriffe oder Tonalität gehen leicht verloren. Die Lösung: KI übersetzt, Native Speaker prüfen die finale Version. Dieser Hybrid-Ansatz kombiniert Geschwindigkeit mit Qualität. Anbieter wie alugha bieten dafür Netzwerke aus einem Netzwerk geprüfter, muttersprachlicher Experten, die gezielt für Nachkorrekturen eingesetzt werden können.

Datenschutz und Hosting

Video-Inhalte sind sensibel – besonders in der internen Kommunikation. Wo werden Videos gespeichert? Wer hat Zugriff? Viele internationale KI-Tools hosten auf US-Servern oder sind durch den US Cloud Act direkt betroffen, was datenschutzrechtlich problematisch sein kann. Europäische Anbieter mit EU-Hosting und DSGVO-konformer Infrastruktur bieten hier Planungssicherheit.

Technische Integration

Wie werden mehrsprachige Videos ausgespielt? Die eleganteste Lösung: Ein Player, in dem User die Sprache selbst wählen können – ähnlich wie bei Streaming-Diensten. Das ist nutzerfreundlicher als separate Video-Dateien für jeden Markt und reduziert den technischen Aufwand. Moderne Video-Plattformen integrieren diese Funktionalität direkt, sodass keine komplexe Infrastruktur notwendig ist.

Fazit: Mehrsprachigkeit wird zur Wettbewerbsfrage

Wer international wachsen will, braucht skalierbare Video-Strategien. Die Zeit, in der Unternehmen jedes Video fünfmal neu produzierten oder sich auf englischen Content beschränkten, ist vorbei. KI macht Mehrsprachigkeit bezahlbar und schnell – wenn Qualität, Sicherheit und strategische Umsetzung stimmen.

Entscheidend ist, nicht blind auf Automation zu setzen, sondern menschliche Expertise gezielt zu integrieren. Die Technologie ist da. Jetzt geht es darum, sie verantwortungsvoll einzusetzen – für Videos, die nicht nur verstanden werden, sondern wirken.

Img of Bernd Korz

Bernd Korz ist Gründer und Geschäftsführer der 2014 gegründeten alugha GmbH. Er gilt als einer der führenden Experten für KI-basierte Übersetzungen.

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