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TIK 2026: Wo B2B-Marketing zusammenkommt

320 Teilnehmer, 27 Speaker und 15 Aussteller: Der TIK überzeugte mit innovativen Networking-Formaten, starkem Eventdesign und hoher Gesprächsqualität.
marketing-BÖRSE | 29.06.2026
Reger Austausch und zufriedene Aussteller auf der Tenne © marketing-BÖRSE
 

Der Weg zum Tag der Industriekommunikation (TIK) begann in diesem Jahr anders als gewohnt. Wer das Veranstaltungsforum Fürstenfeld betrat, wurde nicht über vertraute Wege in die Räume der ehemaligen Klosteranlage geführt, sondern über die Heurampe direkt hinauf in die Tenne. Schon dieser Aufstieg war mehr als eine logistische Änderung. Er setzte den Ton für eine Veranstaltung, die ihr vertrautes Umfeld neu sortierte und den Gästen gleich zu Beginn zeigte, dass auch ein etabliertes Format beweglich bleiben kann.

Oben öffnete sich ein Raum, der mit klassischen Konferenzfoyers wenig gemeinsam hat. Unter dem mächtigen Dachstuhl der ehemaligen Wirtschaftsgebäude spannten sich Holzbalken über die gesamte Länge der Tenne. Zwischen Ständern, Streben und altem Gebälk standen Monitore, Stehtische, Ausstellerflächen und Snackinseln. Wo früher gelagert und gearbeitet wurde, entstand für einen Tag ein Marktplatz für Gespräche, kurze Wege und zufällige Begegnungen.

Die Hitze draußen gehörte zum Erlebnis. Deutschland erlebte an diesen Tagen mehrere Temperaturrekorde, und auch in Fürstenfeldbruck war der Sommer nicht Kulisse, sondern spürbarer Teil des Tages. Wasserflaschen, kurze Wege in den Schatten und der Wechsel zwischen warmer Tenne, sonnigem Hof und angenehm klimatisiertem Stadtsaal prägten den Rhythmus der Veranstaltung. Die Konferenz bekam dadurch eine eigene Dramaturgie: draußen Helligkeit und Hitze, oben unter dem Dach geschäftiges Netzwerken, im Stadtsaal konzentrierte Ruhe.

 

Historischer Rahmen, moderne Inszenierung

Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld ist historisch direkt mit dem ehemaligen Kloster Fürstenfeld verbunden. Die Anlage befindet sich auf dem früheren Klostergelände und nutzt Teile der ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Zisterzienserabtei. Das größte Barockkloster Deutschlands bietet damit einen Rahmen, den moderne Kongresszentren kaum herstellen können: Geschichte ist hier nicht Dekoration, sondern bauliche Realität.

Gerade deshalb funktionierte der Kontrast so stark. In der Tenne trafen jahrhundertealte Holzbalken auf digitale Screens, Personenführungsanlagen, offene Stände und farbige Lichtakzente. Das Eventdesign hielt sich dabei angenehm zurück. Es versuchte nicht, die Architektur zu überdecken, sondern setzte sie in Szene. Einzelne Balken wurden farbig beleuchtet, Monitore standen zwischen rauem Mauerwerk und Holz, die offene Dachkonstruktion blieb sichtbar und gab dem Raum seine Wärme.

Alexander Wiskirchen, Geschäftsführer Eventmeile, und sein Team begleiteten den Tag der Industriekommunikation bereits im vierten Jahr. Das Ausstattungskonzept wurde gemeinsam mit dem Veranstalter entwickelt und auf das Motto „Neue Welten“ abgestimmt. Statt klassischer Stehtische mit weißen Hussen gab es ein stimmiges Zusammenspiel aus Licht, moderner Tischdekoration, farbigen Akzenten und spielerischen Elementen. Im Stadtsaal griffen leuchtende Planeten das Motto auf, im Innenhof wurde ein Tiny House zum Blickfang, und auch die Möblierung wirkte eher wie Einladung zum Austausch als wie Messebau.

 

Die Tenne als pulsierendes Zentrum

Die Tenne wurde zum eigentlichen Herzstück des Tages. Rund 15 Aussteller waren dort platziert, dazu Snackinseln und später das Buffet. Die Entscheidung, Ausstellungsbereich, Catering und Pausenflächen zusammenzuführen, veränderte die Qualität der Begegnungen. Wer sich etwas zu essen holte, lief zwangsläufig an Ständen vorbei. Wer einen Kaffee nahm, stand wenige Schritte später in einem Gespräch. Wer eigentlich nur den Weg zum nächsten Programmpunkt suchte, blieb häufig stehen.

Diese Verdichtung war kein Zufall. Kai Halter, Veranstaltungsleiter und Vorstandsvorsitzender des bvik, beschrieb Networking als zentralen Mehrwert des Tags der Industriekommunikation. Genau darauf war das neue Raumkonzept ausgerichtet. Die Tenne verband Success Stories, Aussteller, Mittagspause und vertiefende Formate so miteinander, dass Austausch nicht nur möglich war, sondern ständig nahelag.

Aus Sicht eines Ausstellers zeigte sich bereits am Vormittag, dass das Konzept Bewegung erzeugte. Schon zwischen neun und zehn Uhr kamen erste Besucher an die Stände, später füllte sich der Dachraum mit Gesprächsgruppen. Die Qualität der Besucher wurde als hoch beschrieben: viele Vertreter mittelständischer und größerer Unternehmen, ein senioriges Publikum und eine überschaubare Dienstleisterquote. Für ein Konferenzformat ist das ein relevanter Punkt, denn Aussteller leben hier weniger von Masse als von Passung.

 

Organisation als lernendes System

Dass der neue Zugang über die Heurampe nicht für alle sofort selbsterklärend war, gehörte ebenfalls zur Wahrheit dieses Tages. Eine Person aus dem Organisationsteam beschrieb die veränderte Wegeführung als Lernprozess. Die Location wurde in dieser Form erstmals genutzt, deshalb mussten Beschilderung, Einweisung und Orientierung neu gedacht werden. Für ein Gelände dieser Größe ist das kein Detail, sondern ein wesentlicher Teil des Besuchererlebnisses.

Am Veranstaltungstag bestand das Organisationsteam aus zwölf Personen. Zusätzlich unterstützten sechs Schülerinnen und Schüler das Event als Einweiser und Orientierungshilfen. Sie wurden von der Schule freigestellt und erhielten so Einblick in die Abläufe einer Großveranstaltung. Diese Mischung aus professioneller Organisation und sichtbarer Unterstützung vor Ort gab dem Tag eine zugängliche, fast handwerkliche Qualität.

Die Vorbereitung des Events dauert nach Angaben aus dem Organisationsteam rund ein Jahr. Kaum ist der aktuelle Tag beendet, beginnt die Arbeit am nächsten. Auch das erklärt, warum die Veranstaltung von langjährigen Teilnehmern als kontinuierlich wachsend und professioneller werdend beschrieben wurde. Mehrere Stimmen bewerteten Organisation, Ablauf, Technik, Vorbereitung, Speaker-Auswahl und Nachbereitung ausdrücklich positiv. Ein Teilnehmer sprach von einem professionellen Rundumpaket, andere hoben hervor, dass die Veranstaltung Jahr für Jahr besser werde.

 

Stadtsaal: Konzentration im kühlen Licht

Der Stadtsaal bildete den Gegenpol zur Tenne. Während oben unter dem Dach Bewegung, Gespräche und Buffet dominierten, lag im Vortragssaal eine andere Energie. Blaues und violettes Licht tauchte den Raum in eine kühle Atmosphäre, leuchtende Kugeln schwebten als gestalterische Planeten über der Bühne, die Sitzreihen waren dicht gefüllt. Auch der Balkon wurde genutzt. Der Raum war modern, professionell und sichtbar auf Konzentration ausgelegt.

Die Klimatisierung wurde an diesem Tag zu einem echten Komfortmerkmal. Wer aus der Hitze des Innenhofs oder aus der warmen Tenne kam, betrat einen Saal, der fast wie ein Rückzugsraum wirkte. Das Publikum konnte sich auf die Bühne konzentrieren, ohne mit der Außentemperatur kämpfen zu müssen. Gerade bei einem langen Konferenztag ist solche Raumqualität kein Nebenaspekt, sondern eine Voraussetzung für Aufmerksamkeit.

Inhaltlich setzte der TIK auf ein gemeinsames Bühnenprogramm statt auf viele parallele Breakout-Sessions. Tanja Auernhamer, Mitorganisatorin, beschrieb diesen Fokus als bewusste Entscheidung: Die Teilnehmenden sollten nicht permanent das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Praxisbeispiele aus Unternehmen standen im Mittelpunkt, allerdings nicht als reine Erfolgserzählungen. Auch Hürden, Stolpersteine und nicht funktionierende Ansätze sollten sichtbar werden. Das gab den Vorträgen eine Glaubwürdigkeit, die von mehreren Teilnehmern ausdrücklich geschätzt wurde.

 

Vertiefung ohne Raumwechsel

Neu waren die Silent Listening Sessions in der Tenne. Sie entstanden aus Teilnehmerwünschen und sollten die kurzen Success Stories von der Hauptbühne vertiefen. Statt die Besucher in zusätzliche Räume zu schicken, wurden Headsets und Personenführungsanlagen eingesetzt. Kleine Gruppen konnten so den Praxis-Cases weiter folgen, während ringsum der offene Charakter der Tenne erhalten blieb.

Das Format passte zur Logik des Tages. Die Veranstaltung blieb räumlich kompakt, aber inhaltlich anschlussfähig. Wer mehr wissen wollte, konnte vertiefen. Wer sprechen wollte, blieb im Netzwerkfluss. Wer eine Pause brauchte, griff zum Essen oder ging in den Hof. Genau diese Gleichzeitigkeit aus Programmdichte und Bewegungsfreiheit machte den Tag lebendig, ohne ihn unübersichtlich werden zu lassen.

Mehrere Speaker und Teilnehmer bewerteten die Vertiefungsformate positiv, selbst wenn sie sie aus Zeitgründen nicht selbst nutzten. Die Möglichkeit, nach einem begrenzten Bühnenimpuls in die Tiefe zu gehen, wurde als sinnvolle Ergänzung wahrgenommen. Für Eventplaner ist das ein starkes Signal: Nicht jedes Vertiefungsformat braucht einen eigenen Raum, manchmal reicht eine kluge technische Lösung, um die Aufmerksamkeit zu bündeln.

 

Pausen, Buffet und Gespräche

Das Catering war nicht vom Event getrennt, sondern Teil des Eventdesigns. Buffets standen mitten im Networking-Bereich, Speisen und Gespräche gingen ineinander über. Auf den Tischen lagen Salate, Rohkost, warme Speisen, Desserts in kleinen Gläsern und Obst. Das Angebot wirkte hochwertig, modern präsentiert und auf schnelle, unkomplizierte Nutzung ausgelegt.

Entscheidend war nicht nur die Qualität der Verpflegung, sondern ihre Platzierung. Das Buffet wurde nicht zum Endpunkt der Pause, sondern zum Ausgangspunkt neuer Gespräche. Menschen kamen mit Tellern ins Gespräch, blieben zwischen Ständen stehen oder nahmen einen Snack mit zurück in eine laufende Diskussion. Längere Pausen hätten aus Ausstellersicht noch mehr Gesprächszeit geschaffen, doch zugleich war der Zielkonflikt mit einem dichten Konferenzprogramm offensichtlich.

Im Stadtsaalhof öffnete sich eine zweite Szene. Unter freiem Himmel standen Stehtische, eine Bühne, das Tiny House und ein Eiswagen. Bei den hohen Temperaturen wurde dieser Hof zum sommerlichen Gegenraum: heiß, hell, offen, aber mit Schatteninseln und einer anderen Form von Beweglichkeit. Der Eiswagen wirkte nicht wie Dekoration, sondern wie eine kluge Antwort auf den Tag.

 

Menschen als eigentlicher Programmpunkt

In fast allen Stimmen tauchte ein Motiv immer wieder auf: Der Tag der Industriekommunikation lebt von persönlicher Begegnung. Langjährige Teilnehmer berichteten von alten Bekannten, frischen Impulsen, Gesprächen auf hohem fachlichem Niveau und dem Gefühl, für einen Tag aus dem Tagesgeschäft herauszutreten. Erstbesucher beschrieben die Veranstaltung als fokussiert, angenehm ruhig und frei von überdrehtem Rahmenprogramm.

Auffällig war, wie stark Vorträge und Pausen als zusammengehörig wahrgenommen wurden. Ein Speaker und eine Teilnehmerin beschrieben, dass Impulse von der Bühne erst im Gespräch danach wirklich weiterarbeiteten. Man hört etwas, nimmt es mit in die Pause, spricht mit anderen darüber und kommt auf neue Gedanken. Genau diese Verbindung von Bühne und Austausch macht eine Konferenz vor Ort stärker als eine bloße Mediathek.

Für viele Besucher war der TIK damit nicht nur Informationsquelle, sondern Resonanzraum. Eine Teilnehmerin kam seit vielen Jahren und schätzte Community, Qualität und Location. Ein anderer Teilnehmer reiste zum ersten Mal an und plante bereits die Wiederkehr. Wieder andere beschrieben die Veranstaltung als festen Termin im Jahr, als Gelegenheit zum strategischen Denken oder als Ort, an dem man über den eigenen Unternehmenskontext hinausschauen kann.

 

Feedback als Prinzip

Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Formats ist eng mit der Arbeitsweise des bvik (Bundesverband Industriekommunikation) verbunden. Kai Halter beschrieb Zuhören als zentralen Erfolgsfaktor. Das neue Konzept in der Tenne entstand aus Rückmeldungen des Vorjahres. Die Teilnehmenden wollten mehr Vertiefung, mehr Dialog und mehr Gelegenheit, hinter die kurzen Bühnencases zu blicken. Aus diesem Feedback wurde ein neues Format gebaut.

Auch Tanja Auernhamer verwies auf die programmatische Arbeit im Hintergrund. Die Themenauswahl basiert unter anderem auf einer jährlichen Trendstudie, einem Trendpaper, Vorschlägen aus dem Expertenbeirat und Impulsen aus der Community. Der Expertenbeirat wird teilweise jährlich neu besetzt und bringt Perspektiven aus Industrie und Agenturen ein. Dadurch bleibt das Programm nicht statisch, sondern wird immer wieder neu zusammengesetzt.

Diese Form der Entwicklung unterscheidet den TIK von vielen Konferenzen, die vor allem Slots füllen. Hier wirkt das Programm kuratiert, aber nicht glatt poliert. Die Praxis-Cases stehen nicht isoliert auf der Bühne, sondern werden in Austauschformate verlängert. Die Veranstaltung versucht damit, das Versprechen persönlicher Begegnung nicht nur zu behaupten, sondern in Raum, Ablauf und Technik zu übersetzen.

 

Eine Konferenz mit eigenem Rhythmus

Der Tag der Industriekommunikation 2026 zeigte, wie ein etabliertes Format sich erneuern kann, ohne seinen Kern zu verlieren. Der historische Ort, die ungewöhnliche Wegeführung, die starke Tenne, der klimatisierte Stadtsaal, das offene Catering und die Silent Sessions ergaben ein Erlebnis, das zwischen Tradition und Experiment lag. Nicht alles war perfekt, aber vieles war bewusst gestaltet.

Gerade die kleinen Reibungen machten den Tag glaubwürdig. Der neue Eingang war ungewohnt, die Hitze forderte die Besucher, der Dachraum war atmosphärisch stark, aber klimatisch anspruchsvoll. Gleichzeitig funktionierten Organisation, Programm, Technik, Catering und Networking so gut, dass viele Teilnehmer den Tag als fokussiert, wertvoll und inspirierend beschrieben. Für Eventmarketing-Manager ist das vielleicht die wichtigste Beobachtung: Perfektion entsteht nicht aus glatten Flächen, sondern aus stimmigen Übergängen.

Am Abend führte die Veranstaltung weiter in die Nacht der Industriekommunikation. Damit endete der Tag nicht abrupt nach dem letzten Vortrag, sondern verlängerte sich in Begegnung, Austausch und gemeinsames Feiern. Genau darin lag das eigentliche Statement dieses Konferenztages. In einer Zeit, in der KI, Automatisierung und digitale Formate vieles beschleunigen, bleibt der direkte Austausch ein knappes Gut. In Fürstenfeldbruck bekam er Raum, Licht, Schatten, Essen, Bühne und ein historisches Dach über dem Kopf.

 

Fotos gibt es im LinkedIn-Bericht und hier.

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