Neue Studie: Wie KI die Produktentdeckung verändert
Guide to Agentic AI © Publicis Sapient
KI-Assistenten wie ChatGPT und Gemini entscheiden über Produktempfehlungen, beziehen ihre Informationen aber primär von Händlern, Marktplätzen und Plattformen statt von den Marken selbst.
Für die Studie wurden über 150 C-Level- und C-1-Entscheider aus der Konsumgüterindustrie in den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und China befragt (Unternehmen mit jeweils >1 Mrd. USD Jahresumsatz).
Kernergebnisse der CPG-Studie
Das Regal ist unsichtbar geworden – und niemand schaut hin
Die Produktentdeckung findet nicht mehr im Laden oder bei Google statt, sondern in Form von KI-gesteuerten Empfehlungen. Doch die Studie zeigt: Die meisten Konsumgüterunternehmen sind darauf nicht vorbereitet.
- Nur 37% prüfen monatlich oder häufiger, wie KI-Assistenten (z.B. ChatGPT, Gemini, Perplexity) ihre Produkte beschreiben.
- 33% tun dies zwei bis vier Mal pro Jahr, 25% nur einmal jährlich, 4% seltener als einmal pro Jahr.
- Nur 26% checken wöchentlich oder häufiger, wie ihre Produkte im Vergleich zu Wettbewerbern dargestellt werden – 52 % tun dies monatlich und 22 % quartalsweise.
>>>Die Audit-Frequenz bleibt zu gering für eine algorithmische Welt, in der sich Produktsichtbarkeit täglich verschieben kann.
Händler kontrollieren die Sichtbarkeit – nicht die Marken
Die Studie offenbart eine dramatische Machtverschiebung: Retailer und Marktplätze dominieren dort, wo KI-Assistenten ihre Informationen beziehen.
- 68% der Befragten publizieren konsistent auf Händler-Websites (brand-managed pages), aber nur 52% auf eigenen Brand-Websites
- 66% nutzen Social Commerce (TikTok Shop, Instagram Shop), 57% Online-Marktplätze
- Nur 31% berichten, dass brand-eigene Inhalte bei KI-Suchen zuerst erscheinen – 30% sehen Händler-/Marktplatz-Inhalte an erster Stelle, 21% Bewertungs-/Vergleichsseiten
- 18% haben dies überhaupt nicht analysiert
- Nur 15% glauben, dass ihre eigene Markenbeschreibung den ersten Eindruck bei Online-Suchen prägt – 31% sagen Händler/Marktplätze, 22% Social Media, 22% Bewertungsseiten
>>>Jahrzehntelang aufgebautes Markenkapital droht zu Datenzeilen zu kollabieren, die von Dritten kontrolliert werden.
Daten-Inkonsistenz untergräbt Sichtbarkeit
KI-Assistenten belohnen Klarheit und Konsistenz – doch die meisten Marken liefern beides nicht.
- Nur 33 % der Befragten berichten von „sehr konsistenten“ Produktinformationen über alle digitalen Kanäle hinweg, 51 % von „einigermaßen konsistenten“
- Nur 36% beschreiben ihre Produktdaten als vollständig strukturiert, maschinenlesbar und konsistent über alle Kanäle
- 48% befinden sich „in progress“ (größtenteils maschinenlesbar, einige nicht-maschinenlesbare Formate)
- 14% entwickeln noch (Mix aus maschinenlesbaren und nicht-maschinenlesbaren Formaten)
>>>Ohne strukturierte, fehlerfreie Datenpflege riskieren Marken, von Algorithmen übersehen zu werden.
Fragmentierte Verantwortung: Niemand „besitzt“ die KI-Sichtbarkeit
Die Studie zeigt ein Governance-Vakuum: KI-Optimierung hat keinen klaren Owner.
- 64% haben eine unternehmensweite Strategie zur Beeinflussung, wie KI-Assistenten ihre Produkte beschreiben – 34% handeln fragmentiert, 1% diskutieren noch
- Nur 39% haben eine dedizierte AI-Discovery-Rolle oder ein Team – die restlichen verteilen Verantwortung auf Digital Marketing (28%), Brand Management (17%) oder funktionsübergreifend (16%)
- Nur 58% haben vollständig kartiert und aktiv gemanagt, aus welchen Quellen KI-Assistenten schöpfen – 41% nur teilweise kartiert und inkonsistent gemanagt
>>>Ohne klare Zuständigkeit bleibt Agent Experience (AX) ein Nebenprojekt – obwohl es Board-Level-Priorität sein sollte.
Wettbewerbsangst ist hoch – Vorbereitung niedrig
Marken wissen, dass ihre Sichtbarkeit auf dem Spiel steht, haben aber keine ausgereifte Strategie.
- 63% sind besorgt (17% sehr, 46% einigermaßen), dass Wettbewerber prominenter in KI-Ergebnissen erscheinen
- Nur 31% fühlen sich „sehr vorbereitet“ auf die Möglichkeit, dass KI-Assistenten der primäre Weg für Produktentdeckung werden
- 52% fühlen sich nur "einigermaßen vorbereitet", 11% weder vorbereitet noch unvorbereitet, 6% unvorbereitet
Die größten Barrieren sind organisatorisch und technisch.
- 43% nennen Talent-/Kompetenzlücken als größte Barriere
- 42% regulatorische/Datenschutz-Bedenken
- 40% limitierte digitale Infrastruktur
- 34% fehlendes Leadership-Alignment/keine klare Priorisierung
- 33% zu viele unverbundene Systeme
- 32% fehlende Expertise, 32% fehlendes Budget/Ressourcen
Regionale Unterschiede: USA und Frankreich führen, China hinkt hinterher
Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede:
- Frankreich (60%) und USA (52%) führen bei monatlichen oder häufigeren KI-Audits
- Deutschland folgt mit 45%, UK mit nur 24% – wo 73% nur quartalsweise oder jährlich auditieren
- China liegt deutlich zurück: Nur 6% auditieren monatlich, 61% nur einmal jährlich
- Bei vollständig strukturierten, maschinenlesbaren Daten führen USA (48%) und UK (50%), während Deutschland (29%), Frankreich (20%) und China (29%) zurückliegen
„Produktentdeckung findet nicht mehr im Geschäft oder im Webshop statt, sondern in unsichtbaren Verhandlungen zwischen KI-Assistenten – und die priorisieren strukturierte, maschinenlesbare Daten statt emotionaler Markengeschichten. Unsere Studie zeigt: Die meisten Führungskräfte in der Konsumgüterindustrie sind noch nicht vorbereitet – wenige auditieren ihre KI-Präsenz regelmäßig, Händler dominieren die Sichtbarkeit, strukturierte Daten sind inkonsistent und organisatorische Bereitschaft fehlt. Das Ergebnis: Marken werden verwundbar, während KI die Produktwahl neu gestaltet," so Agnes Bührmann, Industry Lead Retail & B2B bei Publicis Sapient. „Wer jetzt strukturierte Produktdaten – von Inhaltsstoffen über Zertifizierungen bis zu Nachhaltigkeitsmerkmalen – maschinenlesbar aufbereitet, kann die Kontrolle zurückgewinnen. Für Challenger-Brands ist das die Chance, etablierte Marken zu überholen – denn Algorithmen bevorzugen Klarheit, nicht Marktmacht."