Marketing-Börse PLUS - Fachbeiträge zu Marketing und Digitalisierung
print logo

Mehr E-Mails, weniger Klicks: Was jetzt zählt

Globale Auswertung von 175.000 Unternehmen zeigt: Abonnenten bleiben, aber die Aufmerksamkeit schwindet. Die Lösung: Channel-Orchestrierung.
Brevo | 27.04.2026
© Brevo
 

Mehr senden, weniger erreichen: Das ist die unbequeme Kernbotschaft des neuen Marketing Orchestration Benchmarks 2026 von Brevo. Für den Report hat Brevo die Versanddaten von 175.000 Unternehmen weltweit ausgewertet,  darunter 15.000 Unternehmen aus Deutschland. Dabei wurden Milliarden von Nachrichten über E-Mail, SMS, WhatsApp, Push und Mobile Wallet analysiert. Die Datenbasis umfasst den Zeitraum Januar bis Dezember 2025 und macht den Report zur bislang umfangreichsten Auswertung von Omnichannel-Engagement-Daten, die Brevo veröffentlicht hat.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wer seinen Channel-Mix intelligent orchestriert und auf Relevanz statt Volumen setzt, erzielt messbar bessere Ergebnisse. Europäische und insbesondere deutsche Unternehmen haben dabei einen strategischen Reifevorteil, der sich massiv auf den ROI auswirkt.

Silent Disengagement: Der unsichtbare Performance-Killer

Das gefährlichste Signal im Marketing ist heute das leiseste. Brevo identifiziert im neuen Report ein Phänomen namens „Silent Disengagement": Die Empfängerlisten wachsen, die Abmelderaten bleiben mit global unter einem Prozent verschwindend gering, aber die Zielgruppe hört auf zu interagieren. Die Inbox ist voll, die Botschaft geht unter, obwohl die Datenbank oberflächlich gesund aussieht.

Bei High-Volume-Sendern (mehr als eine Million E-Mails pro Jahr) bricht die Click-Through-Rate (CTR) auf 1,54 Prozent ein. Im Gegensatz dazu erzielen die Top 10 Prozent der Omnichannel-Sender eine CTR von 8,75 Prozent – ein gewaltiger Unterschied, der zeigt, wie weit Masse und Relevanz in der Praxis auseinanderliegen.

„Wer heute noch E-Mail-Performance an reinem Versandvolumen misst, optimiert am falschen Hebel“, betont Maximilian Modl, CEO Brevo Deutschland. „Die Antwort auf 'Silent Disengagement' lautet nicht, noch lauter zu rufen. Es geht um Orchestrierung: Den richtigen Kanal zur richtigen Zeit für die richtige Botschaft zu nutzen. Unsere Daten zeigen klar, dass weniger, aber gezielt orchestrierte Nachrichten die reinen Volumen-Strategien konsistent schlagen.“

DSGVO und strategische Reife: Warum Deutschland bei der Performance weltweit führt

Deutsche Unternehmen erzielen mit einer CTR von 5,42 Prozent mehr als doppelt so hohe Werte wie der globale Durchschnitt (2,27 Prozent) und dreimal so hohe wie Nordamerika (1,78 Prozent). Auch auf europäischer Ebene bestätigt sich das Bild: Europa erreicht eine Open Rate von 22,8 Prozent, verglichen mit 17,3 Prozent in Nordamerika.

Der Grund dafür ist längst nicht mehr nur die strenge DSGVO-Compliance, sondern ein strategischer Reifevorteil: Deutsche Marketer haben den Wechsel zum Intent-Driven Marketing vollzogen. Sie nutzen saubere Listen und strikte Opt-ins nicht als rechtliche Hürde, sondern als Performance-Strategie. Das Resultat ist ein Publikum, das die Kommunikation tatsächlich erwartet und mit ihr interagiert.

Der orchestrierte Channel-Mix: SMS, WhatsApp und der stille Champion Mobile Wallet

Die Benchmark-Daten belegen, dass Top-Performer Channels nicht mehr isoliert betrachten, sondern die Customer Journey orchestrieren. E-Mail bleibt das Herzstück der Kundenbeziehung, wird aber gezielt entlastet, um den Marketing-Druck zu senken:

  • SMS übernimmt mit weltweit durchschnittlich 25 Millionen Sends pro Monat die extrem zeitkritische Kommunikation.
  • WhatsApp skaliert als Dialogkanal (durchschnittlich 30 Millionen Marketing-Nachrichten pro Monat), um Conversions durch direkte Interaktion zu treiben.
  • Mobile Wallet ist der stille Champion für die langfristige Kundenbindung.

Besonders in Deutschland und der DACH-Region zeigen die Wallet-Zahlen eine enorme Dynamik: Hier wurden bereits 31 Millionen Wallet-Pässe erstellt und über 470 Millionen Push-Benachrichtigungen über diesen Kanal versendet. Mobile Wallet operiert vollständig außerhalb des überfüllten E-Mail-Posteingangs, lässt sich dynamisch aktualisieren und erzielt eine durchschnittliche Retention Rate von 95 Prozent – gepaart mit 52 Prozent höheren Umsätzen pro Kunde.

Orchestrierung als Antwort auf fragmentierte Aufmerksamkeit

Der Marketing Orchestration Benchmark 2026 erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Marketer in wachsenden und mittelständischen Unternehmen unter enormem Effizienzdruck stehen. Während die Konkurrenz in der Inbox zunimmt, belegen die Brevo-Daten: Nachhaltiges Engagement entsteht durch smarte Channel-Koordination und Personalisierung – nicht durch mehr Volumen.