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Suchanfragen per Spracheingabe verändern die SEO-Welt

Direkte und schnelle Antworten auf Suchanfragen werden bevorzugt. Betreiber von Webseiten müssen ihren Fokus verstärkt auf Content-Gestaltung legen.
Ines Maione | 02.05.2017
Im Juni 2011 läutete Google mit der Einführung von „Google Voice Search“ eine neue Ära der Vorgehensweise bei Suchanfragen ein. Spätestens als Google Ende 2013 auch in seinem Browser Chrome die Sprachbedienung eingeführt hat, sind immer mehr User dazu übergegangen, ihre Suchanfragen einzusprechen statt sie einzutippen. Diese Steigerung setzt sich bis heute fort und wird forciert durch die zunehmende Verbreitung sprachgesteuerter Assistenten wie Siri, Cortana oder Google Now und der damit einhergehenden Verhaltensänderung der User. Diese nutzen immer öfter auch mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets, um im Internet zu surfen und geben hier ihre Suchanfragen schnell, bequem und sicher über Spracheingaben ein. Heute sind die Spracherkennungssoftwares bereits so gut, dass die diktierten Anfragen zudem weniger Fehler aufweisen als die eingetippten.
Laut Google sind im Jahr 2016 bereits 20 Prozent aller Suchanfragen mit mobilen Endgeräten über Spracheingaben erfolgt.
Die Verhaltensänderung der User bei ihren Suchanfragen hat natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO).

Google Answers – Direkte Antworten auf Suchanfragen


Google ist bestrebt, den Usern direkte Antworten auf ihre Suchanfragen zu liefern. An erster Stelle in den Google Suchergebnissen werden Ausschnitte aus Webseiten angezeigt, die dem User die Antwort direkt anzeigen, ohne dass dieser einen Link klicken und eine Webseite aufrufen muss. Auch unterwegs und bei Nutzung von mobilen Endgeräten sollen die User jederzeit die Antworten auf ihre Fragen erhalten. Diese können auch per Sprachausgabe erfolgen.
Die Zeiten, in denen man seine Webseiten per Keyword-Stuffing für die Google robots optimiert hat, sind damit vorbei. Stattdessen folgt die Optimierung von Web-Inhalten, um mit dem User in eine zielgerichtete Konversation zu treten und ihm seine Antworten zu liefern.
Betreiber von Webseiten müssen sich also fragen, wie sie direkte Antworten auf sprachgesteuerte Suchanfragen ausliefern können, wie sie dabei ihre bisher textlich verfassten Angebote übermitteln und welchen Ton und Klang sie ihrer Firma oder Marke verleihen möchten.

Individuellere Suchergebnisse

Voice-Search-Systeme werden stetig weiterentwickelt, um die Suchanfragen der User auch im Kontext richtig zu verstehen. Faktoren wie vorangegangene Suchanfragen und der Standort des Users werden durch den Einsatz künstlicher Intelligenz in die Suchalgorithmen von Google Voice Search mit einbezogen, um auf die User abgestimmte und passende Antworten zu liefern. Das bedeutet für Websitebetreiber, dass sie ihren Focus bei der Content-Gestaltung noch stärker als bisher auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Besucher legen müssen. Eine stärkere Differenzierung der eigenen Zielgruppen kann dabei helfen, entsprechend diversifizierten Content zu erstellen und bereitzustellen. Der Content sollte dabei auch den „natürlichen Ton“ der User treffen und spezifische Antworten auf die unterschiedlichsten User-Fragen bereithalten. Ein Beispiel hierfür sind FAQ-artig aufbereitete Inhalte, die richtig gestaltet eine große Bandbreite an userspezifischen Fragen beantworten können.
Im Zusammenhang mit der Bedeutung individuell ausgerichteter Webseiten-Inhalte erhält auch Local-SEO eine stärkere Bedeutung als bisher. Sucht der User nach „Eine Bar in meiner Nähe“, so wird Google den Standort des Users mit Informationen aus den Webseiten abgleichen. Nur bei Übereinstimmung und u.U. auch nur beim Vorhandensein von weiteren relevanten Informationen wie Öffnungszeiten und Adresse wird Google entsprechende Webseiten dem User als Suchergebnisse anzeigen.

Längere Sucheingaben

Um Webinhalte als direkt angezeigte Antwort auf sprachbasierte Suchanfragen bei Google zu platzieren oder mindestens auf der ersten Seite der organischen Suchergebnisse zu gelangen, müssen sich Webseitenbetreiber vor allem mit der Frage beschäftigen, wie die User suchen. Da die Ausrichtung der Suchmaschinenoptimierung auf sprachbasierte Suchanfragen noch in den Anfängen steckt, gibt es hierzu bis dato noch relativ wenig belegte Aussagen. Was jedoch sicher ist, ist, dass die Optimierungsmaßnahmen im Vergleich zur den bisherigen für die Sprachsuche sehr unterschiedlich sein werden. Sprachlich eingegebene Suchanfragen unterscheiden sich wesentlich von schriftlich eingegebenen, da sie in der Regel aus längeren Phrasen und vollständig diktierten Sätzen und Fragen bestehen.
Websitebetreiber sollten daher ihre SEO-Bemühungen mehr auf Long-Tail-Keywords und ganze Sätze ausrichten. Die Seiten, die auf passende Keywords und Sätze hin optimiert werden, sollten den Usern nützliche Informationen und Antworten auf ihre Fragen liefern und keinesfalls rein auf die Bestückung von Keywords abzielen.

Neue Keyword-Recherche


Websitebetreiber die ihre Seiten auch für sprachbasierte Suchanfragen optimieren möchten, müssen zu der Planung von neuem, individuellerem Content auch die hierfür optimalen Keywords bzw. jetzt Keyword-Phrasen und Sätze neu recherchieren. Doch wie formulieren die User ihre Fragen, deren Antworten die zu optimierende Webseite liefern soll? Auch wenn die Suchanfragen das gleiche Ziel haben, werden sie je nach User sehr unterschiedlich formuliert. Aus diesem Grund müssen die Inhalte und die Ausrichtungen der einzelnen Webseiten komplexer als bisher gestaltet sein, um als optimales Suchergebnis für die User zu gelten und in den Google-Suchergebnissen möglichst weit oben angezeigt zu werden (siehe auch den Abschnitt „Individuellere Suchergebnisse“).
Eine Twittermeldung von Google lässt hoffen, dass Google sprachbezogene Suchanfragen bald auch gesondert in der Google Search Console ausweisen wird. Offenbar stehen die Daten bereits zur Verfügung. Als Feature ist es aber bis dato noch nicht in die Search Console eingebunden worden.
Um trotzdem bereits heute in Erfahrung zu bringen, wonach die eigene Zielgruppe sucht und wie sie ihre Suchanfragen verbalisiert, ist eine ideale Vorgehensweise, die Zielgruppe selber zu befragen. Für die Befragung können Sie Plattformen von Crowdsourcing-Unternehmen wie clickwoker nutzen, um hier die Crowd, nach Zielgruppenkriterien selektiert, als Umfrageteilnehmer zu nutzen.

Fazit

Das Wissen um die Suchmaschinenoptimierung auf Spracheingaben ist heute noch sehr begrenzt. Aktuell ist es das Beste, die sprachbasierte Suche bei Google & Co. selber zu benutzen, um zu verstehen, wie die Sprachanfragen funktionieren, welche Ergebnisse angezeigt werden und wo die eigene Site steht. Die Sprachsuche ist jedoch ein Trend, der sich auch in Zukunft noch selber weiter nähren wird. Die Optimierung von sprachgesteuerten Systemen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz wird dazu führen, dass die Systeme immer reaktionsfähiger und funktionaler werden. Dadurch werden immer mehr Menschen sprachgesteuerte Systeme für ihre Kommunikation und Suchanfragen einsetzen. Aus diesem Grund ist die Optimierung der eigenen Webseiten auf sprachbasierte Anfragen bereits heute von großer Bedeutung und unerlässlich für die Zukunft und den Erfolg der kompletten Website.