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Krisen-Kommunikation in Zeiten von Corona

Wie eine geeignete Krisenkommunikation Unternehmen hilft, die Informationshoheit zu behalten.
Yannik Sulzbacher | 27.03.2020
Krisenkommunikation in Zeiten von Corona © Pixabay / PIRO4D
 

Selten hat ein Thema die Nachrichtenlage derart dominiert wie die Corona-Krise und noch seltener wurden derart massive Einschnitte in das öffentliche Leben notwendig, wie wir sie momentan erleben. Die halbe Welt operiert im Krisenmodus und wann sie wieder ihren gewohnten Gang gehen wird, lässt sich kaum qualifiziert voraussagen. Unternehmen müssen jetzt einen besonderen Spagat meistern. Einerseits haben sie die Verpflichtung die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu schützen, andererseits müssen auch die Geschäfte irgendwie weiterlaufen. Hierbei nimmt die Krisenkommunikation eine wichtige Rolle ein. Denn die Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden, und die Herausforderungen, die auf ein Unternehmen zukommen, müssen kommuniziert werden. Und das nicht nur an die Öffentlichkeit, sondern auch an die eigenen Mitarbeiter. Hier finden Sie die drei wichtigsten Prioritäten der Krisenkommunikation, die Ihnen helfen sollen, die aktuelle Lage zu bewältigen.

  1. Bildung einer Corona Taskforce

 

Um nach innen wie außen ein einheitliches Bild zu vermitteln und die Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu bestimmen, ist es unumgänglich, ein Team von Führungskräften zusammenzustellen, welches sicherstellt, dass das Unternehmen auch weiterhin betriebsfähig bleibt. Dieses Team besteht idealerweise aus einem Mitglied der Geschäftsführung, einem Verantwortlichen aus der Personal- und PR-Abteilung und falls vorhanden, den Leitern der verschiedenen Standorte. Dabei gilt zu beachten, je kleiner das Team ist, desto einfacher und schneller lassen sich Maßnahmen ergreifen und Verantwortlichkeiten regeln. Ein regelmäßiger Austausch innerhalb des Krisenteams stellt sicher, dass alle auf dem neuesten Stand sind und dementsprechend handeln können.

Die Aufgaben des Krisenteams sind vielfältig und sowohl kommunikativer als auch operativer Natur. So wird hier entschieden, welche Informationen an die Mitarbeiter und an die Öffentlichkeit weitergegeben werden. Transparenz ist hier das Mittel der Wahl, um das Vertrauen der Kunden und der Mitarbeiter nicht zu verlieren. Weiterhin ist es wichtig unterschiedliche Szenarien durchzuspielen, die auf das Unternehmen zukommen könnten. Dazu gehört auch das Worst-Case-Szenario. Was passiert, sollte ein Teil der Geschäftsführung oder das Gros der Mitarbeiter ausfallen? Welche Maßnahmen zur Liquiditätssicherung stehen zur Verfügung? Nur wenn Sie für den Ernstfall gerüstet sind, haben Sie eine Chance, handlungsfähig zu sein, sollte dieser eintreten.

  1. Kommunikation mit den Mitarbeitern

 

Eine geglückte Krisenkommunikation fängt im eigenen Unternehmen an. Die Geschäftsführung hat nicht nur eine Verantwortung für die Gesundheit der Mitarbeiter, sondern auch für deren Informationsstand. Wie schwer wird die Corona-Krise mein Unternehmen treffen? Muss ich mit Lohnkürzungen rechnen? Ist vielleicht sogar mein Arbeitsplatz in Gefahr? Solche und weitere Fragen werden sich viele Arbeitnehmer momentan stellen und es ist an der Geschäftsführung, diese Bedenken auszuräumen, zumindest soweit sie es kann. Beruhigende Versprechungen zu machen, die später nicht einhaltbar sind, sollten unter allen Umständen vermieden werden. Andernfalls hätte das einen massiven Vertrauensverlust der Mitarbeiter in die Geschäftsführung zur Folge. Allgemein sollten möglichst nur gesicherte Fakten weitergegeben werden, welche dann sachlich, wie empathisch, an die eigenen Mitarbeiter kommuniziert werden. Berufen Sie sich hier auf Experten oder bedeutende Institutionen, wie das Robert Koch-Institut.

Falls sich die Mitarbeiter mittlerweile im Homeoffice befinden, werden weitere kommunikative Maßnahmen notwendig, um den Zusammenhalt zu stärken. Die Fahrt zur Arbeit, das Zusammentreffen mit den Kollegen sowie der feste Rahmen der Büroarbeit, gehören zum Alltag für Millionen von Deutschen. Diese gewohnten Abläufe fallen jetzt weg und werden durch das selbstbestimmte Arbeiten zuhause ersetzt. Was sich zunächst wie ein Gewinn von Freiheit anhört, wird sich bald für viele als psychischer Kraftakt erweisen. Es gibt jedoch Maßnahmen, um dem entgegenzusteuern. Durch regelmäßige Kontaktaufnahme der Geschäftsführung zu ihren Mitarbeitern gibt sie diesen das Gefühl, nicht allein zu sein und schafft so eine Vertrauensbasis, welche noch lange nach Überwindung der Krise Bestand haben wird.

Videokonferenzen über Zoom oder Microsoft Teams ermöglichen es ebenfalls, den Zusammenhalt der Beschäftigten zu stärken und Gewohnheiten aus dem Büroalltag mit ins Homeoffice zu nehmen.

  1. Externe Kommunikation mit der Öffentlichkeit und Geschäftspartnern

 

Nicht nur die Mitarbeiter wollen mit Informationen versorgt werden, auch die Öffentlichkeit sollte auf dem Laufenden gehalten werden. Zunächst müssen die Kommunikationskanäle geprüft werden. Für die Krisenkommunikation bietet sich Social Media als Hauptkanal an, hier befindet sich das größte Publikum und Informationen können schnell verbreitet werden. Aber auch E-Mails oder eine eigene Rubrik auf der Website können dabei helfen, die Informationshoheit zu behalten und erst gar keine Gerüchte aufkommen zu lassen.

Behalten Sie bei der Kommunikation die Auswirkungen des Corona-Virus immer im Hinterkopf. Eine Krankheit, welche voraussichtlich Millionen von Menschen das Leben kosten wird, sollte nicht für geschäftliche Zwecke ausgenutzt werden. Stärken Sie lieber, wenn möglich, die philanthropische Ader Ihres Unternehmens, in dem Sie prüfen, ob Ihr Unternehmen nicht einen Beitrag zur Lösung der Corona-Krise leisten kann.

Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Person, welche die Nachrichten überbringt, ist entscheidend. In der Krisenkommunikation gilt, die Informationen sollten von ganz oben kommen. Eine Nachricht des Geschäftsführers an die Kunden zeigt, dass dieser Verantwortung übernimmt und das Problem ernst genommen wird.

Keine Krise währt ewig

 

Auch wenn die momentane Situation düster erscheint, sollte sich jeder bewusst machen, dass auch diese Krise vorübergehen und der Alltag wieder in das Geschäftsleben einziehen wird. Solange aber der Ausnahmezustand gilt, sind Transparenz, Empathie und Flexibilität die Leitmotive, die uns durch die Krise begleiten sollten. Eine angemessene Krisenkommunikation hilft den Unternehmen, den Zugang zu der Öffentlichkeit und den eigenen Mitarbeitern nicht zu verlieren und im besten Fall Vertrauen auszubauen.

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Über Yannik Sulzbacher

Freier Journalist und Soziologie-Student an der Goethe-Universität Frankfurt.

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