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Warum Relevanz wichtiger als Reichweite wird

Eigene Kundendaten werden zur stärksten Waffe gegen Temu und Shein: Relevante 1:1-Kommunikation steigert Conversion und Marge.
Johannes van de Loo | 21.05.2026
© SmartCom
 

Der europäische E-Commerce steht unter enormen Druck. Während die Werbekosten auf Plattformen wie Meta, TikTok und Google seit Jahren steigen, verschärfen asiatische Handelsplattformen wie Temu und Shein den Wettbewerb zusätzlich mit riesigen Mediabudgets.

 

Die Folge: Cost per Mille (CPM) und damit auch die Cost per Order (CPO) steigen für viele Händler auf ein wirtschaftlich kritisches Niveau. Besonders betroffen sind Unternehmen, die weiterhin auf generische Kampagnen, breite Zielgruppenansprache und austauschbare Newsletter setzen.

 

Denn Aufmerksamkeit allein reicht längst nicht mehr aus. Entscheidend ist heute Relevanz.

 

Wer nur Reichweite einkauft, verliert Marge

Die Lage ist brisant und wird in der Branche intensiv diskutiert: Temu gehört inzwischen sowohl bei Meta als auch bei Google zu den größten Werbekunden weltweit. Mit aggressiven Rabattaktionen, permanenter Sichtbarkeit und algorithmisch optimierten Kampagnen dominieren die Plattformen zunehmend die digitale Produktkommunikation.

 

Für deutsche Versandhändler und Online-Shops bedeutet das vor allem eines: höhere Klickpreise bei sinkender Effizienz.

 

Doch sich auf einen reinen Bieterwettbewerb einzulassen, ist für viele Unternehmen weder sinnvoll noch nachhaltig. Stattdessen braucht es Strategien, die vorhandene Kundendaten intelligenter nutzen und Kommunikation deutlich relevanter machen.

 

Genau hier kommt Hyperpersonalisierung ins Spiel.

 

Eigene Daten werden zur wichtigsten Marketingressource

Die meisten Unternehmen verfügen bereits über wertvolle Daten: Bestellhistorien, Warenkorbabbrüche, Produktinteressen oder Reaktionsmuster aus Kampagnen liefern klare Hinweise darauf, wann Kunden für welche Angebote empfänglich sind.

 

In Kombination mit Produktfeeds und KI-gestützten Analysen eines Recommendation Services entstehen daraus hyperpersonalisierte 1:1-Angebote entlang der gesamten Customer Journey. Unternehmen werden dadurch unabhängiger von steigenden Mediakosten und können Bestandskunden gezielter aktivieren.

 

 

Programmatic Printing: Der Briefkasten als Performance-Kanal

Während digitale Werbekanäle überfüllt sind, bleibt ein Kanal erstaunlich unterschätzt: der physische Briefkasten.

 

Mit Programmatic Printing lassen sich personalisierte Print-Mailings automatisiert und datenbasiert ausspielen – ähnlich wie digitale Kampagnen. Der Unterschied: Die Kommunikation landet physisch beim Kunden und erzielt dadurch deutlich höhere Aufmerksamkeit.

 

Möglich werden individuelle Produktempfehlungen, personalisierte Gutscheine oder Trigger-Mailings nach Warenkorbabbruch. Moderne Systeme verbinden CRM-, Shop- und Verhaltensdaten automatisch mit dynamisch generierten Print-Layouts.

 

Das Ergebnis sind hochrelevante Mailings mit individuellen:

  • Produktempfehlungen
  • Preisen und Rabatten
  • Bildwelten
  • regionalen Angeboten
  • Kaufanreizen

 

Besonders spannend: Obwohl rund 98 Prozent aller Haushalte in Deutschland DSGVO-konform postalisch erreichbar sind und Print-Mailings laut Studien Öffnungsraten von bis zu 80 Prozent erzielen, haben internationale Plattformen diesen Kanal noch nicht entdeckt.

 

Damit entsteht für deutsche Händler eine strategische Chance außerhalb der überfüllten digitalen Werbeökosysteme.

 

Hyperpersonalisierung senkt die CPO deutlich

E-Commerce-Unternehmen konnten mit hyperpersonalisierter Produktkommunikation ihre Cost per Order um bis zu 74 Prozent senken.

 

Der Grund: Kunden erhalten keine generischen Werbebotschaften mehr, sondern Angebote, die sich am tatsächlichen Kaufverhalten orientieren. Dadurch steigen Response-Raten, Wiederkäufe und Warenkorbwerte – während Streuverluste sinken.

 

Das geht auch per Newsletter im Posteingang

Auch das E-Mail-Marketing entwickelt sich weg vom klassischen Massennewsletter hin zu Programmatic E-Mailing – also zu individualisierten Kommunikationsstrecken in Echtzeit. 

 

Statt identischer Inhalte für gesamte Verteilerlisten erhalten Empfänger dynamisch generierte Newsletter auf Basis von Interessen, Kaufwahrscheinlichkeiten und aktuellen Verhaltensdaten.

 

Automatisch personalisiert werden dabei unter anderem:

  • Produktauswahl
  • Betreffzeilen
  • Versandzeitpunkte
  • Rabatte
  • Cross- und Upselling-Angebote

 

Der Recommendation Service analysiert Öffnungs-, Klick- und Kaufverhalten fortlaufend und optimiert die Ausspielung als Selbstläufer weiter.

 

Gerade in Zeiten explodierender CPMs wird Programmatic E-Mailing damit zu einem entscheidenden Hebel, um Bestandskunden profitabel zu aktivieren und Conversion Rates nachhaltig zu steigern.

 

Fazit: Relevanz schlägt Reichweite

Der Wettbewerb gegen Plattformen wie Temu oder Shein wird sich künftig kaum über größere Werbebudgets gewinnen lassen.

 

Erfolgreich werden vielmehr jene Unternehmen sein, die ihre eigenen Daten intelligenter einsetzen und Kunden mit maximal relevanter Kommunikation erreichen – automatisiert, personalisiert und kanalübergreifend.

 

 

Gender-Disclaimer:
Zur besseren Lesbarkeit wurde in diesem Fachartikel das generische Maskulinum verwendet. Die genannten Personenbezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechter.