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Digital vs. analog: Wie klimafreundlich ist unsere Kommunikation?

Digitale Kommunikation spart Papier, ist aber nicht klimaneutral. Masse, Spam und Infrastruktur treiben Emissionen deutlich nach oben.
Gabriele Braun | 04.06.2026
© Magnific / rawpixel.com
 

Der Weltumwelttag am 5. Juni 2026 erinnert weltweit daran, wie stark unser Alltag die Umwelt beeinflusst – auch dort, wo wir es oft nicht erwarten: in unserer täglichen Kommunikation. Ob E-Mail oder Brief, jede Nachricht hat einen ökologischen Fußabdruck. Doch wie groß ist der Unterschied wirklich?

Digitale Kommunikation gilt oft als klimafreundliche Alternative zum klassischen Brief. Tatsächlich entfallen Papier, Druck und physischer Transport. Dennoch ist auch die E-Mail nicht emissionsfrei. Rechenzentren, Netzwerkinfrastruktur und Endgeräte wie Smartphones oder Laptops benötigen Energie – und genau dort entsteht der CO2-Ausstoß.

Der CO2-Fußabdruck eines Briefes

Ein klassischer Brief verursacht laut Markus Maisch (2025) im Durchschnitt etwa 20 bis 30 Gramm CO2. Die Emissionen entstehen entlang der gesamten Prozesskette: bei der Papierherstellung, dem Druck, der Kuvertierung sowie beim Transport durch Logistikzentren und Zustellfahrzeuge. Auch Recycling oder Entsorgung tragen zur Gesamtbilanz bei.

Die Bilanz einer E-Mail

Eine E-Mail verursacht im Vergleich weniger Emissionen. Je nach Umfang und Nutzung liegen laut Mike Berners-Lee (2020) diese meist zwischen 0,03 und 17 Gramm CO2.  Die durchschnittliche Standard-E-Mail ohne Anhang von einem Laptop gesendet und einem Laptop empfangen liegt bei 0,3 Gramm CO2-Emissionen. Die Emissionen entstehen hauptsächlich durch den Stromverbrauch der Server, der Datenübertragung und der Endgeräte, berichtet web.de (2024). Auch das langfristige Speichern von E-Mails in der Cloud beeinflusst die Bilanz.

Der entscheidende Faktor: Masse

Während einzelne E-Mails deutlich klimafreundlicher sind als Briefe, zeigt sich bei der Gesamtmenge ein anderes Bild. Im Jahr 2024 wurden laut Markus Maisch (2025) weltweit weniger als 300 Milliarden Briefe verschickt, die zusammen rund 0,009 Gigatonnen CO2-Emmisionen verursachten. Im gleichen Zeitraum wurden täglich etwa 350 Milliarden E-Mails versendet – hochgerechnet mehr als 127 Billionen pro Jahr. Dadurch summierten sich die Emissionen digitaler Kommunikation auf etwa 0,17 Gigatonnen CO2.

Energie als Klimatreiber

Die tatsächliche Klimabilanz digitaler Kommunikation hängt stark von der Stromerzeugung ab. Rechenzentren, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, verursachen deutlich weniger Emissionen als solche, die auf fossile Energieträger angewiesen sind. Gleichzeitig steigt der weltweite Energiebedarf durch die zunehmende Digitalisierung kontinuierlich an.

Unterschätzte Faktoren: Anhänge und Spam

Zusätzliche Belastungen entstehen durch große Dateianhänge, umfangreiche Verteilerlisten oder häufige „Allen antworten“-Funktionen. Auch Spam-Mails spielen eine Rolle: Milliarden unerwünschter Nachrichten werden täglich versendet und verbrauchen Energie für Verarbeitung und Speicherung – auch wenn sie ungelesen bleiben, berichtet Christopher Schulz (2025).

Fazit: Bewusster Umgang statt Entweder-oder

Für das Marketing liegt die Herausforderung nicht in der Wahl zwischen digitaler und analoger Kommunikation, sondern in der konsequenten Reduktion unnötiger Kontakte. Jede zusätzliche E-Mail, jeder redundante Versand und jede unklare Zielgruppenansprache erhöht nicht nur die Datenlast, sondern auch den ökologischen Fußabdruck – oft ohne zusätzlichen Mehrwert für die Empfänger.

Nachhaltige Kommunikation beginnt daher nicht im Kanal, sondern im Konzept: Relevanz, Zielgenauigkeit und Effizienz werden damit zu den entscheidenden Stellschrauben – sowohl ökologisch als auch strategisch.

Denn die wirksamste Kommunikation ist nicht die, die am häufigsten versendet wird, sondern die, die nur dann entsteht, wenn sie wirklich gebraucht wird.

 

Quellen:

Berners-Lee Mike (2020): How Bad are Bananas? Genannt in Carbonliteracy im September 2022.
https://carbonliteracy.com/the-carbon-cost-of-an-email/

Maisch Markus (2025):  „E-Mail oder Brief: Was verursacht mehr CO₂?“ In: Attempto 63/2025, Forschungsmagazin der Universität Tübingen.
https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/forschungsmagazin-attempto/e-mail-oder-brief-was-verursacht-mehr-co2/?utm_source=chatgpt.com

Schulz Christoper (2025): Mail’s carbon footprint: How much CO2 does an email produce? In: ForTomorrow
https://www.fortomorrow.eu/en/blog/carbon-email/?utm_source=chatgpt.com

WEB.DE: „E-Mails und CO2“ (News am 27.11.2024)
https://newsroom.web.de/2024/11/27/e-mails-und-co2/?utm_source=chatgpt.com