Marketing-Börse PLUS - Fachbeiträge zu Marketing und Digitalisierung
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Wie Agenten und intelligente Tools die Mediaplanung neu definieren

Ein Professor erklärt, wie die großen Tech-Giganten den Medienmarkt transformieren und was Marketing-Manager jetzt dagegen tun können.
 

Das sind die Themen:

Medienvielfalt schrumpft – und es wird eng für den Rest 
Die Marktkonzentration ist längst ein Fakt: Google, Meta und Amazon teilen sich in Deutschland über 50 Prozent des Medienkuchens. Das ist nicht neu – Scott Galloway hat es vor zehn Jahren schon gefordert – aber jetzt passiert endlich was. Der Druck kommt aus Politik, Regulierung und dem echten Unbehagen der Publisher. Wer jetzt nicht aktiv gegensteuert, verliert Sichtbarkeit. Marketing-Manager sollten ihre Media-Gewohnheiten überdenken und bewusst in kleinere, spezialisierte Kanäle investieren – Radio, Außenwerbung, Nischenpublisher. Das sendet ein Signal und nutzt gleichzeitig Kanäle, die von den Riesen oft ignoriert werden.
 
Awareness und Branding sind wieder salonfähig 
Jahrelang war Performance-Marketing die Religionsfrage. Jetzt fallen den großen Entscheidern die Schuppen aus den Augen: Man braucht auch wieder Markenaufbau. Die Faustregel von IPA (Binet & Field) mit 60 Prozent Branding und 40 Prozent Performance wird endlich ernst genommen. Das heißt konkret: Der Mix ist wichtiger als die Spezialisierung. Agenturen und Inhouse-Teams müssen wieder budgetär Luft für Branding-Investitionen machen – nicht aus Nostalgie, sondern aus Geschäftslogik. Marken ohne Story verhungern am langen Ende.
 
Programmable Everything – wenn Buchung endlich einfach wird 
Die Vision ist alt, aber die Umsetzung wird endlich real: Alles in einer DSP buchen – Social Media, Open Web, TV, Radio, sogar Digital-OOH. Das senkt Transaktionskosten, reduziert Reibung und macht Mediaplaner faul, wie sie es sein sollten. Connected TV und Addressable TV ermöglichen auch kleinere Sender und Streaming-Kanäle. Die technische Integration ist nicht überall genauso weit – aber die Bewegung ist unumkehrbar. Wer jetzt noch eine Dreifach-Buchung über verschiedene Systeme macht, verliert Zeit und Fokus.
 
Aufmerksamkeit messen funktioniert jetzt, ohne die User zu tracken 
Das Aufmerksamkeits-Thema zieht sich durch die Branche seit Jahren – aber jetzt kommen erste actionable Lösungen. Tools wie Permodo nutzen keine reaktiven Daten (Eye-Tracking, Panels), sondern operative Daten, die beim Ausspielen anfallen: Sichtbarkeit, Viewtime, Device-Kontext, Interaction. Über 40 Variablen, aus denen sich Aufmerksamkeits-Cluster bilden. Das ist elegant, Privacy-konform und für jeden nutzbar. Marketing-Manager sollten das im Pilot testen – es ist das fehlende Stück zwischen Impression und echtem Impact.
 
Marketing ist nicht zum Quatschen da – es ist strukturelle Verantwortung 
Ja, Werbung nervt – der Professor gibt's zu. Aber sie wirkt subliminal, finanziert das Mediensystem und ist die einzige Funktion im Unternehmen, die große Ideen und echte Produkte bekannt macht. Wer nicht darüber redet, spricht der Konkurrenz in die Hände. Das ist keine Marketing-Romantik – das ist Geschäft. Teams sollten Stakeholder wieder davon überzeugen, dass gutes Marketing ein Kostenfaktor ist, dessen ROI langfristig exponentiell ist.