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LLM-Beratung steigert Conversion und senkt Retouren

Semantische KI-Beratung schafft nahtlose UX: Sie kombiniert Daten, Verhalten, Content und Merchandising-Regeln zu individuell passenden Entscheidungen
Janina Schmidt | 18.11.2025
Mit dialogbasierter Beratung zu mehr Conversions © epoq internet services GmbH
 

Wie schaffe ich es, meine Kunden nicht nur zufriedenzustellen, sondern sie wirklich zu überzeugen und binden? Genau diese Frage treibt viele Online-Händler um, denn Standardlösungen reichen längst nicht mehr aus. Der wahre Hebel im E-Commerce entsteht dort, wo Technologie das Einkaufsverhalten von Kunden grundlegend verändert. KI-gestützte 1:1-Personalisierung ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor für Einkaufserlebnisse, die begeistern. 

Verändertes Kundenverhalten im Online Shopping 

Das Einkaufsverhalten im Netz wandelt sich grundlegend – und es geht dabei nicht nur um die finale Entscheidung an der Kasse, sondern um die gesamte Reise vom ersten Suchimpuls bis zur Nachbetreuung. Statt starrer Ergebnislisten erwarten Kundinnen und Kunden heute dialogische, kontextbezogene Interaktionen: Sie suchen in natürlicher Sprache, lassen sich beraten, vergleichen Varianten im Gespräch und wollen situativ passende Inhalte, Empfehlungen und Services. Personalisierung ist dabei zur Basiserwartung geworden, nicht zuletzt aufgrund des Erfolgs und der Verbreitung von KI-Assistenten wie ChatGPT. 

Dass 71 % der Verbraucher personalisierte Interaktionen erwarten – und 76 % frustriert sind, wenn dies fehlt (Quelle: McKinsey, 2021) – verdeutlicht, wie eng Zufriedenheit und Relevanz inzwischen verknüpft sind. Parallel steigt der Anspruch an Verfügbarkeit und Tempo: 58 % schätzen besonders die Rund‑um‑die‑Uhr‑Unterstützung virtueller Assistenten, was die Bedeutung nahtloser, jederzeit erreichbarer Touchpoints unterstreicht (Quelle: Nordlight Research, 2024). Zugleich verbreiten sich LLM‑Technologien rasant in der Praxis: 65 % der E‑Commerce‑Unternehmen planen, LLM‑basierte Personalisierung zu implementieren (Quelle: BytePlus, 2025), und 27 % des LLM‑Einsatzes entfielen 2024 bereits auf den Einzelhandel beziehungsweise E‑Commerce (Quelle: GlobeNewswire, 2025) 

Kurz gesagt: Steigende Nutzererwartungen treffen auf schnelle technologische Entwicklung – wer heute begeistern will, gestaltet nicht nur den Checkout, sondern orchestriert die gesamte Interaktion entlang der Journey und nutzt LLMs, um Suche, Beratung und Service natürlicher, verfügbarer und relevanter zu machen. 

LLM-gestützte 1:1-Produktberatung 

Genau hier setzen AI-Shopping-Assistenten an: Sie markieren einen Strukturwandel in der digitalen Beratung, indem sie basierend auf moderner Technologie auch komplexe und abstrakte Anfragen verstehen. Dabei können sie direkt in die bestehende Produktsuche und Ergebnislisten eingebettet werden, wodurch ein hybrides Such- und Beratungsmodell entsteht, das natürliche Sprache, klassische Filter und Sortierung sowie dynamisch generierte Tags zusammenführt. Die Lösung arbeitet auf Basis aktueller Produktdaten und Verhaltenssignale (Klick- und Kaufverhalten) und wirkt genau dort, wo die Kaufentscheidung vorbereitet wird: in der Consideration‑Phase. Bedarfe werden präzise aufgenommen, mit Sortiment und Verfügbarkeit abgeglichen und in strukturierte Produktempfehlungen überführt, ohne die vertraute Navigation zu unterbrechen. Dieses nahtlose Zusammenspiel zielt auf passgenaue Entscheidungen, reduziert Unsicherheit und verringert Fehlkäufe, was sich wiederrum positiv auf die Retourenquote auswirkt. 

Von der Sucheingabe zur Entscheidung mit intelligenten Ergebnislisten 

Ein AI Shopping Assistent ist ein LLM‑gestütztes Beratungsinterface, das natürliche Text‑ oder Spracheingaben versteht, semantisch mehrstufige Kriterien (z. B. Preisrahmen, Produktausschlüsse, Attribute) interpretiert und direkt in der Ergebnisliste passende Produkte anzeigt, die der Kundenanfrage entsprechen und gleichzeitig die individuellen Präferenzen berücksichtigen. 

Gute Beratung beginnt genau dort, wo Nutzer tippen. Kunden können frei entscheiden, ob sie klassisch suchen oder die persönliche Beratung aktivieren möchten. Aktuelle Ausprägungen solcher Systeme integrieren sich „ohne Brüche“ in den Shopping‑Flow: Ein Icon in der Suche signalisiert die Beratung, Conversation‑Starter erleichtern den Einstieg, und die Antwort des Assistenten kombiniert kurze natürliche Erklärungen mit einer passenden Produktliste.  

Ein Fallbeispiel verdeutlicht die Wirkmechanik: In einem Wein‑Sortiment lässt sich eine natürlich formulierte Suchintention („Ich suche einen Rotwein aus Südeuropa, keinen Weißwein, der weniger als 20 € kostet“) unmittelbar in Filter übersetzen. Der AI Shopping Assistant antwortet mit einer kurzen Erklärung der Empfehlungen. In der Ergebnisliste werden nur Produkte angezeigt, welche auf die in natürlicher Sprache kommunizierten Eigenschaften des Users zutreffen. Mithilfe von dynamischen Tags kann die Ergebnisliste ohne Medienbruch weiter eingeschränkt werden.  

Die Personalisierung erfolgt 1:1 in Echtzeit, der AI Shopping Assistant berücksichtigt persönliche Präferenzen, passt sich der Sprache und dem Stil des Nutzers an und führt einen Dialog, der gezielt auf die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben eingeht. Zudem beeinflusst das Klick‑ und Kaufverhalten die Gewichtung der Ergebnisse; zugleich bleibt Merchandising steuerbar, um Business‑Ziele wie Lagerabverkauf oder Margenpriorisierung regelbasiert zu berücksichtigen. 

Mehrwert bietet zudem die Content Discovery: Wenn Fragen nicht produktbezogen sind, können passende Informations‑ oder Serviceinhalte verlinkt werden, wodurch Sackgassen vermieden und die Orientierung im Shop verbessert wird. 

Vorgehensmodell und Einbettung zur wirksamen Beratung im Shop 

Ein AI Shopping Assistant lässt sich in drei Schritten in einen Shop integrieren: Zunächst wird eine auf den jeweiligen Shop zugeschnittene Wissensbasis erstellt. Grundlage hierfür bildet der Produktkatalog sowie die Klick- und Kaufdaten der Shopkunden. Letztere werden mittels eines einfachen Tracking‑Codes erfasst 

Anschließend erfolgt die Einbindung in das Shopsystem: Das visuelle Erscheinungsbild wird abgestimmt und ein entsprechendes div‑Element als Platzhalter für das Frontend wird zur Verfügung gestellt. Dieses kann an der gewünschten Position im Shop integriert werden. 

Daraufhin kann die Live‑Beratung im Shop starten – personalisiert, KI‑gestützt und stimmig eingebettet in die Customer Journey, damit die Kunden direkt im Kontext ihres Einkaufs gezielte Unterstützung erhalten. 

Verantwortlichkeiten, Herausforderungen und Compliance im Blick 

Organisatorisch empfiehlt sich ein Zusammenspiel aus Merchandising, Datenpflege und Monitoring: Datenpflege stellt Attribut‑Konsistenz sicher, Merchandising definiert Regeln und Schwerpunkte, und mittels Monitoring werden die relevanten KPIs und Reaktionszeiten überprüft, um Qualität und Stabilität der Beratung laufend zu gewährleisten. 

Risiken und Grenzen betreffen vor allem die Daten‑ und Attributqualität sowie die richtige Einbettung in die Journey. Fehlende oder uneinheitliche Attribute begrenzen die Präzision semantischer Interpretationen; ebenso erzeugt eine losgelöste Chat‑Einbindung ohne Ergebnislisten‑Kopplung Reibung, weil die Brücke zwischen Beratung und Auswahl fehlt. Die beschriebenen Ansätze begegnen diesen Herausforderungen durch direkte Integration in die Liste, dynamische Tags, die Erhaltung bestehender Filter/Sortierungen und die explizite Nutzung von Produkt‑ und Verhaltensdaten. 

Dabei dürfen Datenschutz und Verantwortlichkeit auf keinen Fall vergessen werden. Ein AI Shopping Assistant muss DSGVO‑konform sein und mit Blick auf gängige Datenschutzanforderungen sowie dokumentierte Prozesse arbeiten, damit Personalisierung und Compliance im Einklang bleiben. 

Die wichtigsten Vorteile im Überblick 

  • Bessere UX: Kunden finden auch ohne Produktwissen schnell zum Ziel. 
  • Richtige Kaufentscheidungen: Passende Produkte führen zu zufriedenen Kunden, die gerne wieder kommen. 
  • Höhere Conversion Rate: Individuelle Produktvorschläge erhöhen die Kaufwahrscheinlichkeit. 
  • Weniger Retouren: Gezielte Beratung reduziert die Retourenquote spürbar.