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Wie Unternehmen ihre Marketing-Budgets verschwenden

Wer heute noch nach dem günstigsten CPM kauft, zahlt am Ende dreifach: für Ad-Fraud, fragwürdiges Inventar und nicht messbare Kampagnen.
 

Das sind die Themen:



Preiswettbewerb statt Qualität
Der Markt wird von einer einfachen Regel dominiert: Je günstiger die Reichweite, desto besser. Das führt zu einer pervertierten Anreizstruktur, bei der deutsche Publisher und das Open Web verlieren. Milliarden an Werbegeld fließen in US-Plattformen und TikTok – ein System, das gerade für den Mittelstand fatal ist, weil ihm die Daten und Analysefähigkeiten zur Kontrolle fehlen. Das Ergebnis: Budgets landen in unkontrolliertem Inventar mit Ad-Fraud-Risiken statt bei hochwertigen Publishern.


Das Ad-Fraud-Problem ist hausgemacht
Wenn Publisher nur 8 statt 10 Millionen Impressions liefern können, kaufen sie sich einfach 2 Millionen im Google Display Network hinzu. Dieses Long-Tail-Inventar ist super günstig – und massiv anfällig für Ad-Fraud. Das Problem ist: Unternehmen überprüfen das nicht oder nur oberflächlich. Sie setzen auf Messung NACH der Kampagne statt auf Kontrolle VOR dem Kauf. Das ist wie blind einkaufen.


Messung ist Kontrolle, nicht nur Reporting
Bevor man von Customer Lifetime Value spricht, müssen drei Grundfragen geklärt sein: Wurde die Werbung technisch korrekt ausgeliefert? Wurde die Zielgruppe erreicht? War die Ad sichtbar? Die meisten Unternehmen können diese Fragen nicht beantworten. Sie messen Impressions, nicht Impact. Zur echten Qualitätskontrolle gehört Verifizierung VOR dem Kauf – damit weiß man, was man bekommt.


Die Lösung: Wirkung statt Preis
Statt Medienbudgets an die billigste Agentur zu vergeben, sollten Unternehmen fragen: Wer liefert die größtmögliche Wirkung? Das klingt einfach, erfordert aber Umdenken. Es bedeutet: höherwertige Publisher, strikte Kontrolle und klare Messungen. Agenturen müssen orchestrieren und führen statt einfach nur zu schalten. Für Marketing-Manager bedeutet das: bessere Briefings schreiben und intensivere Qualitätssicherung betreiben.


KI wird komplexer, nicht simpler
Generative KI wird überbewertet – wichtiger ist agentic AI, also KI-Systeme die eigenständig arbeiten. Aber Achtung: Programmatic Advertising wurde vor 15 Jahren mit dem Versprechen schneller und transparenter Prozesse gepriesen. Heute ist es undurchschaubar und Ad-Fraud-anfällig. KI wird eine ähnliche Spirale drehen: Mehr Automatisierung = mehr Komplexität. Marketing-Manager müssen daher stärker bei Briefing und Qualitätskontrolle investieren, nicht weniger.
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Christian Bachem

Der Autor und Referent Dr. Christian Bachem ist Gründer der Strategieberatung .companion und Online-Marketing-Experte der ersten Stunde.

Erstpublikation: 16.04.2026

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