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Das neue Gmail – Revolution oder Sturm im Wasserglas?

Im Bereich der Webmailer tut sich aktuell einiges. Nach Outlook.com/Hotmail und GMX ist nunmehr Gmail an der Reihe.
Rene Kulka | 05.06.2013

Im Bereich der Webmailer tut sich aktuell einiges. Nach Outlook.com/Hotmail und GMX ist nunmehr Gmail an der Reihe. Google hat für seinen Webmailer Gmail einen neuen Posteingang angekündigt, der in den nächsten Wochen international ausgerollt wird. Die neue Inbox wird sowohl für Desktop als auch mobile Clients (iPhone, iPad, Android ab 4.0) verfügbar sein. Darüber hinaus hat Gmail erst vor Wochen so genannte [/url]"[url=http://gmailblog.blogspot.de/2013/05/take-action-right-from-inbox.html]Action Buttons" gelauncht. Damit lassen sich Schaltflächen und Widgets zu Interaktion bereits in die Betreffzeile integrieren.


Durch den neuen Posteingang können Nutzer künftig noch einfacher zwischen wichtigen und weniger wichtigen E-Mails unterscheiden. Eine automatisierte Vorsortierung legt eingehende E-Mails in vier verschiedenen Tabs ab. Neben den als "Primary" (im Deutschen: „Allgemein“) hochpriorisierten E-Mails gibt es die Bereiche "Soziale Netzwerke" (Facebook, Twitter & Co.), "Werbung" (Newsletter und Angebote), „Benachrichtigungen“ (Bestätigungen, Belege, Rechnungen) sowie "Foren" (Onlinegruppen, Diskussionsforen, Mailinglisten).

Mein erster Eindruck ist, dass der neue Posteingang für den Nutzer noch übersichtlicher und komfortabler wird. Jede E-Mail-Kategorie bekommt einen eigenen Ordner oder "Label". Die Primär-Inbox enthält nur noch persönliche Mitteilungen. Unerwünschte Einsortierungen kann der Nutzer melden, um den Algorithmus im Hintergrund weiter zu "trainieren". Hierzu zieht er einfach die falsch eingeordnete Nachricht in den richtigen Ordner. Mit einer kurzen Bestätigung lassen sich alle Nachrichten des Absenders künftig in den ausgewählten Ordner einsortieren.

Die Innovation erinnert an die 2011 gelaunchten "SmartLabels", die schon seit einiger Zeit nicht mehr gepflegt wurden. Die potenziell sehr mächtige Funktion fristete – zu Unrecht – bislang ein Schattendasein im Labs-Bereich der Gmail-Einstellungen. Dieser Ansicht war wohl auch das Gmail-Team, das die SmartLabels im neuen Look & Feel aus der Versenkung hob und in "neue Inbox" umbenannte. Sehr treffend finde ich auch den Slogan zum Launch: "A new inbox that puts you back in control" – endlich wieder auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich E-Mails schreiben und beantworten. (Und nicht sortieren und priorisieren.)


Der Nutzer greift also künftig über ausgewählte Reiter auf die unterschiedlichen E-Mail-Kategorien zu – und die allgemeine bzw. top- priorisierte Inbox bleibt "sauber". Während andere Webmailer vorrangig manuell sortieren lassen, kategorisiert Gmail bereits out of the box hochgradig automatisiert. Vermutlich kommen hierbei auch die alten SmartLabels-Daten zum Tragen. Schließlich handelt es sich um einen echten Datenschatz, da die Nutzer ihre E-Mails hiermit bereits fleißig in genau die Kategorien des neuen Postfachs kategorisierten.

Welcher Ansatz sich langfristig durchsetzt, bleibt abzuwarten. Allen Lösungen gemein ist: Uninteressante Newsletter und Kampagnenmails verschwinden zunehmend aus dem Sichtfeld der Nutzer. Für den werblichen Versender ist dies aber der springende Punkt, an dem er sich orientieren muss. Relevante und personalisierte sind also wichtiger denn je.

Werbetreibende Unternehmen sollten in den nächsten Wochen ihre KPIs für @gmail-Adressen im Auge behalten. Gut möglich, dass Öffnungs- und Klickraten werblicher E-Mails aufgrund der Neuerung sinken. Der E-Mail-Marketer sollte deshalb aber nicht den Kopf in den Sand stecken. Schließlich bietet Gmail auch neue Möglichkeiten. Denn ab sofort konkurrieren Newsletter und Kampagnenmails weder mit hochrelevanten privaten Nachrichten noch mit der Fülle an Benachrichtigungen aus sozialen Netzwerken. Vielmehr konzentrieren sich werbliche Informationen und Angebote nunmehr in dem Ordner "Werbung". Solche Informationen stehen also nur noch im Wettbewerb mit anderen Werbe-E-Mails. In diesem Umfeld ist es für Versender deshalb einfacher, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Maßgeschneiderter Content ist hierbei ausschlaggebend. Zugleich sind mehr denn je eine gelungene Inszenierung und ein richtiges Versand-Timing unerlässlich. Darüber hinaus empfehle ich, auch Pre-Header zu verwenden. Denn Gmail ist einer der wenigen Webmailer, der solche E-Mail-Vorschauzeilen direkt im Posteingang neben der Betreffzeile anzeigt. Pfiffig formulierte Pre-Header können die Betreffzeile geradezu perfekt abrunden – und setzen sich positiv von den meisten Nachrichten im Werbe-Ordner von Gmail ab.

Darüber hinaus hat Google vor kurzem die Schaltfläche "Action Buttons" präsentiert. Neben interaktiven Aktionsknöpfen lassen sich damit ganze Widgets wie "zum Warenkorb hinzufügen" oder "Sitzplatz reservieren" am Ende jeder Betreffzeile platzieren. Der Clou: Die Empfänger können auf solche Handlungsaufforderungen reagieren, ohne die E-Mail zu öffnen. Für den Marketer ergeben sich dadurch spannende Möglichkeiten: So können die Unternehmen etwa Bewertungsmails an Käufer senden. Nach dem Klick auf den Action Button "Kauf bewerten" öffnet sich ein Fenster, in dem der Nutzer auf einer 5-Punkte-Skala abstimmen und kommentieren kann. Durch den Klick auf "bestätigen" wird der User Generated Content zur etwaigen Veröffentlichung an den Online-Shop oder die Webseite weitergeleitet.

Auf den ersten Blick sind die Action Buttons eine eher unscheinbare Innovation. Mittelfristig könnten diese das E-Mail-Marketing aber durchaus revolutionieren. Denn im Hintergrund kommt ein offener Standard zum Tragen, der von der Initiative Schema.org spezifiziert wurde. Diese Initiative wird von Google, Microsoft und Yahoo! unterstützt, die mit ihren Suchmaschinen ein tieferes Verständnis über Webseiteninhalte vermitteln möchten und das semantische Web vorantreiben. Da Action Buttons frei nutzbar sind, sollten in Kürze weitere Webmailer nachziehen und diese innovative Form der Interaktion auf breiter Skala populär machen.

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