Unternehmen bei E-Mail-Sicherheit in der Pflicht
© freepik
Name, Logo oder eine plausibel wirkende Absenderadresse reichen nicht aus, um zuverlässig zu belegen, dass eine E-Mail tatsächlich von einem bestimmten Unternehmen stammt. Dennoch halten 86 Prozent der Erwachsenen in Deutschland mindestens eines dieser sichtbaren Merkmale für einen ausreichenden Vertrauensnachweis. Das zeigt eine bevölkerungsrepräsentative YouGov-Befragung im Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. Die E-Mail bleibt damit auch 42 Jahre nach dem Empfang der ersten E-Mail in Deutschland das größte Einfallstor für Cyberkriminalität.
52 Prozent der Befragten stufen eine E-Mail grundsätzlich als vertrauenswürdig ein, wenn sie sich auf eine tatsächliche Kundenbeziehung bezieht. 39 Prozent orientieren sich daran, dass ihnen der angezeigte Unternehmensname bekannt ist, 32 Prozent an der Absenderadresse, die den Namen des Unternehmens enthält, und 21 Prozent halten eine E-Mail für vertrauenswürdig, wenn sie keine Warnung des Mailbox-Providers erhalten. 7 Prozent sind der Meinung, dass keines der abgefragten Merkmale die Vertrauenswürdigkeit einer E-Mail zuverlässig bestätigt.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass Unternehmen die Echtheit ihrer E-Mail-Kommunikation nicht der Einschätzung ihrer Kund:innen überlassen dürfen. Namen, Absenderadresse und Designs in E-Mails können imitiert werden, wodurch selbst aufmerksame Nutzer:innen Opfer von Kriminellen werden können“, sagt Julia Janßen-Holldiek, Director der Certified Senders Alliance – ein Service des eco Verbands in Kooperation mit dem Deutschen Dialogmarketingverband (DDV). „Vertrauen beginnt nicht erst im Posteingang, sondern in der Domain- und Versandinfrastruktur. Marken müssen ihre digitale Absenderidentität schützen und ihre Versandquellen kontrollieren. Sie sind in der Pflicht ihre Domains sicher aufzusetzen und den E-Mail-Verkehr zu überwachen. Auch E-Mail-Service-Provider sind gefordert, ihre Plattformen vor Missbrauch zu schützen und bei Vorfällen schnell zu reagieren. Nur so können Mailbox-Provider missbräuchliche Nachrichten filtern, bevor sie die Empfänger:innen erreichen.“
Vom persönlichen Vertrauen zur technischen Vertrauenskette
Anlass der Befragung ist der 42. Jahrestag der ersten E-Mail an einen eigenständigen deutschen Mailserver am 3. August 1984. Der Empfänger war der heutige eco-Ehrenpräsident Prof. Michael Rotert.
Damals beruhte der E-Mail-Austausch zwischen wenigen Forschungseinrichtungen weitgehend auf gegenseitigem Vertrauen. In ihrer damaligen technischen Form würde die erste E-Mail heutige Authentifizierungsstandards nicht erfüllen. Moderne Empfangssysteme könnten sie deshalb eher als verdächtig einstufen, in den Spamordner verschieben oder ablehnen.
Heute helfen Verfahren wie SPF, DKIM und DMARC dabei, die Versandberechtigung, Signatur und verwendeten Domains einer E-Mail technisch zu prüfen. Für Unternehmen reicht die einmalige Einrichtung dieser Verfahren jedoch nicht aus. Entscheidend ist eine dauerhaft hohe Qualität entlang der gesamten Versandkette.
Drei Aufgaben für Unternehmen:
- Alle Versandquellen erfassen: Unternehmen müssen sämtliche internen Systeme und externen Dienstleister kennen, die in ihrem Namen E-Mails verschicken – vom Newsletter über Rechnungen und Buchungsbestätigungen bis zur Passwortzurücksetzung.
- Absenderidentität technisch absichern: SPF, DKIM und DMARC müssen korrekt eingerichtet, aufeinander abgestimmt und kontinuierlich überwacht werden.
- Reputation und Versandqualität kontrollieren: Missbrauchssignale, Beschwerden, unzustellbare Adressen und weitere Qualitätskennzahlen sollten regelmäßig ausgewertet und Probleme frühzeitig behoben werden.
Unabhängig überprüfte und messbare Qualitätsstandards können Unternehmen und Versandplattformen dabei unterstützen, diese Anforderungen dauerhaft umzusetzen. Für Marken bedeutet das mehr Kontrolle über ihre digitale Identität und Reputation. Für Mailbox-Provider entstehen verlässlichere Signale zur Bewertung von Nachrichten. Empfänger:innen profitieren von einem vertrauenswürdigeren Posteingang und einer zuverlässigeren Zustellung erwünschter E-Mails.
Über die Umfrage
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 22. und 24.07.2026 insgesamt 2.057 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politisches Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.