Marketing-Börse PLUS - Fachbeiträge zu Marketing und Digitalisierung
print logo

7 Empfehlungen für die Social-Media-Strategie 2026

Wir leben immer stärker in einer von KI und Algorithmen geprägten Kommunikationszeit. Welche strategischen Konsequenzen müssen wir daraus ziehen?
Dominik Ruisinger | 13.01.2026
© freepik / pikisuperstar
 

Vor gut einem Jahr habe ich das Buch "Das Ende von Social Media, warum wir digitale Netzwerke neu denken müssen", publiziert. Heute, Anfang 2026, mehren sich die Anzeichen, dass die "Social Media Idee", die wir kannten, ihren Social-Charakter endgültig verloren hat. 

Täglich beobachten, ertragen oder hinterfragen wir alle

  • die wachsende Macht von Algorithmen,
  • wie sich Plattformen als Filterblasen zeigen,
  • wie passives Entertainment aktive Gespräche ersetzt und
  • wie automatisierter, generischer AI Slop die Social-Media-Feeds füttert.

Doch wie müssen wir darauf strategisch reagieren, um überhaupt mit unseren Inhalten noch Sichtbarkeit zu erhalten?

Für mich sind es 7 strategische Empfehlungen, die Organisationen im Jahre 2026 initiieren bzw. vertiefen sollten.

Strategie 1: Hört auf, Fans & Followers zu zählen.Wer heute noch Fans zählt oder sich für ein Follower-Wachstum lobt, hat den Schuss nicht gehört. Die Plattformen interessieren sich nicht dafür: TikTok noch nie, YouTube fast nie und die anderen kaum mehr. Fan-Wachstum ist etwas für das eigene Ego oder den naiven Chef. Heute geht es vielmehr darum, nachweisen zu können, auf welches Unternehmensziel der Content – egal ob organisch oder paid, egal auf welcher Plattform – konkret einzahlt. Und dies können Bewerbungen, Bestellungen, Downloads, Newsletter-Abos u.v.a.m. sein.

Strategie 2: Jede organische Idee benötigt eine Paid-Strategie.
Unsere Fans, Follower und mühsam aufgebauten Communitys bekommen unsere Inhalte kaum mehr zu sehen. Damit sich organische Beiträge überhaupt rechnen, müssen wir sie mit einer Paid-Strategie begleiten – und zwar bei allen Themen und Inhalten, die für uns von Relevanz sind. Und egal auf welcher Plattform. Wer auf immer mehr und auch immer teurere Ads verzichtet, verliert seine Sichtbarkeit.

Strategie 3: Authentizität ist mehr als ein Modebegriff.
Schon jetzt sehen wir immer mehr seelenlose, generisch erzeugte und teils automatisiert ausgespielte Inhalte in Beiträgen und sogar in Kommentaren. Angesichts der KI-Fluten muss der oft überstrapazierte Begriff Authentizität eine Renaissance erleben. Nur so können sich Menschen und Organisationen nach außen als attraktives Etwas zeigen, das etwas zu sagen hat. Und das Ganze gerne als Tandem von Mensch und KI – aber bitte mit dem Menschen am Steuer.

Strategie 4: It’s time for Thought Leaders.
Wenn wir uns beispielsweise die aktuellen Algorithmen-Pläne bei LinkedIn rund um das Thema 360Brew ansehen, dann geht es künftig nicht mehr um Viralität, sondern um Relevanz und Konsistenz bei der Vermittlung von Kerninhalten. Dies eröffnet die Chance, einzelne Personen innerhalb der Organisation als authentische Expertinnen und Experten zu positionieren; und dies unabhängig von der Plattform und natürlich mit Ad-Unterstützung.

Strategie 5: Show your Knowledge, dear Experts.
Wer künftig mit seinen Inhalten Sichtbarkeit erhalten will, der benötigt folglich Expertise, Einzigartigkeit und eine klare Positionierung. Wer dies vermittelt, bekommt Sichtbarkeit bei Menschen wie Maschinen, gerade im KI-Zeitalter. Dies kann über einen Social Kanal, einen Newsletter, einen Blog, einen Podcast oder eine Community erfolgen. Wer dagegen den berühmten Bauchladen liefert, verliert. Denn das kann die KI mindestens genauso gut.

Strategie 6: Enabling ist der Sichtbarkeitsfaktor.
Organisationen benötigen dringender als je zuvor aktive Mitarbeitende. Nur so werden sie mit ihren Botschaften noch ihre Zielgruppen erreichen. Das haben viele begriffen, was sich im Wachstum der Corporate Influencer-Programme zeigt. Nur: Reicht das aus? Langfristig müssen Kommunikationsleute dieses Enabling tiefer in ihre gesamte Organisation hineintreiben.

Strategie 7: Generations-Denken ist out.
Die Diskussionen, welche Inhalte besser zu welcher Generation passen bzw. welche Generation wir über welche Plattform erreichen könnten, sind überflüssig. In einer heterogenen Welt spielen gemeinsame Interessen eine wichtigere Rolle. Die Kernfrage aller Strategien lautet: An welchen aktuellen Themen, die in der jeweiligen Community bzw. auf der jeweiligen Plattform diskutiert werden, können wir inhaltlich andocken? Nur auf Interessengruppen bezogene Strategien helfen uns wirklich weiter.

Die Kommunikationswelt wird auch 2026 in ständiger Bewegung sein. Nur über eines bin ich mir jetzt schon sicher: Wenn wir an das Vordringen der KI, an die Einflüsse der Algorithmen, an die Relevanz der Werbung etc. denken, dann sollten wir uns im Jahr 2026 endgültig vom Namen »Social Media« verabschieden. Denn um den Austausch von Menschen geht es nun wirklich schon lange nicht mehr.