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10 Thesen zu KI-Marketing

Agenten statt Tools, Content wird billiger, Vertrauen wird knapper: Zehn Thesen zur neuen Realität im KI-Marketing.
12.02.26
© freepik / stockboy
 

- AEO und KI-Antworten drücken klassische Such-Klickraten
- Führung und Strategie entscheiden über KI-Erfolg


Künstliche Intelligenz entwickelt sich vom reinen Tool zur operativen Grundlage im Marketing. Shiv Singh, CEO von Savvy Matters und Autor des Buches "Marketing with AI for Dummies", hat sich daher mit aktuellen Themen auseinandergesetzt und 10 Thesen für Adweek aufgestellt:


1. Arbeitsidentität bricht vor Organigrammen
KI verändert Rollenprofile schneller, als Unternehmen ihre Strukturen anpassen. Aufgaben von Produktmarketern, Strategen oder Media-Planern werden automatisiert oder verschoben, während Titel bestehen bleiben. Das sorgt für Unsicherheit und stellt die Frage, wie sich menschliche Expertise künftig definiert.


2. KI ist real – die Planung nicht
Während KI-Systeme rasant leistungsfähiger werden, verharren viele Marketingorganisationen im Modus kleiner Optimierungen. Statt echter Transformation dominieren Tool-Updates und Trainingsprogramme. Das Tempo der Technologie überholt die strategische Anpassung.


3. Marken erben ethische Risiken
Mit zunehmender Menschlichkeit von KI-Interfaces wächst die Verantwortung der Marken. Wenn bezahlte Inhalte in KI-Antworten integriert werden, verschwimmen die Grenzen zwischen Empfehlung und Werbung. Vertrauen wird zur zentralen Herausforderung im KI-Marketing.


4. Viele Unternehmen bleiben auf halbem Weg stehen
Zwar werden KI-Tools eingeführt, doch Prozesse, Entscheidungsrechte und Anreizsysteme bleiben unverändert. Das Ergebnis sind isolierte Anwendungen ohne echten Produktivitätssprung. KI-native Wettbewerber bauen dagegen ihre Organisation konsequent um.


5. KI-Content entwertet gute Ideen
Da Inhalte in großer Menge und Geschwindigkeit produziert werden können, verliert durchschnittliche Kreativität an Wert. Gefragt sind Haltung, kulturelles Gespür und klare kreative Führung. Differenzierung entsteht nicht durch Volumen, sondern durch Relevanz.


6. Answer Engine Optimization verändert die Auffindbarkeit
KI-generierte Antworten verdrängen klassische Suchergebnisse. Sinkende Klickraten bei AI-Overviews zeigen, dass Sichtbarkeit neu definiert werden muss. Entscheidend ist, als vertrauenswürdige Quelle im Modell zu erscheinen, nicht nur auf Seite eins zu ranken.


7. Vernetzte KI-Workflows schlagen Einzellösungen
Die Zukunft liegt in integrierten Systemen statt isolierten Tools. Agenten planen, erstellen und optimieren Kampagnen mit minimaler menschlicher Intervention. Menschen übernehmen Steuerung, Priorisierung und Qualitätskontrolle.


8. Führungsqualität wird zum wichtigsten Erfolgsfaktor
Wenn operative Exzellenz durch KI skaliert wird, entscheidet strategisches Urteilsvermögen. Führungskräfte müssen klare Prioritäten setzen und verantwortungsvoll mit Monetarisierung und Vertrauen umgehen. Leadership wird zum Differenzierungsmerkmal.


9. CMOs müssen härtere Entscheidungen treffen
Statt vieler Experimente werden klare strategische Wetten verlangt. Build oder Buy, Optimierung oder Differenzierung – diese Entscheidungen dulden keinen Aufschub. Strategie gewinnt an Gewicht, weil operative Vorteile schneller kopierbar werden.


10. Unregelmäßige KI-Leistung schafft neue Risiken
KI funktioniert in manchen Kontexten brillant und scheitert in anderen unerwartet. Diese inkonsistenten Ergebnisse erzeugen neue, schwer erkennbare Fehlerquellen. Über- und Untervertrauen in KI bestehen oft gleichzeitig im selben Team.